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Anleihen Vier Themen, die Credits bewegen

Trotz der insgesamt weitgehend stabilen Fundamentaldaten, könnte die Lage am Credit-Markt schwieriger und unsicherer werden. Noch wächst die Weltwirtschaft, doch tragen immer weniger Länder dazu bei; die Unterschiede nehmen zu. Investoren sollten sich auf mehr Volatilität und eine stärkere Streuung auf Emittenten- und Sektorebene vorbereiten.

 

Wir haben vier Themen erkannt, die die Credit-Märkte kurzfristig beeinflussen: Energie und Weltpolitik, Weltkonjunktur auf schmaler Basis, KI und ihre Folgen sowie Zinsvolatilität und heterogene Geldpolitik.

 

Da ist zunächst das Thema Energie und Weltpolitik, vor allem die Entwicklungen im Nahen Osten. Im USA-Iran-Konflikt gibt es zwar Fortschritte, sodass sich die Lage jetzt etwas entschärft hat, aber die Risiken bleiben hoch, und es kann weiter zu Lieferstörungen kommen. Vermutlich wird man am Markt auf absehbare Zeit eine Risikoprämie für Öl verlangen. Ihre Höhe hängt maßgeblich von den weiteren Entwicklungen ab.

 

Eine dauerhafte Lösung könnte den Inflationsdruck senken und die Spreads stützen, während eine erneute Eskalation weitere Spreads und regionale Unterschiede zur Folge haben könnte.

Credit Spreads trotz steigender Ölpreise zuletzt recht stabil

Credit Spreads trotz steigender Ölpreise zuletzt recht stabil

Stand der Daten 15. Mai 2026. Quelle: Bloomberg

Ölpreis gemessen an ICE Brent Crude Futures für den nächsten Monat. Globale Investmentgrade-Anleihen gemessen am Bloomberg Global Aggregate Corporate Index.

Das zweite Thema ist die schmale Basis der Weltkonjunktur. Insgesamt scheinen die gesamtwirtschaftlichen Daten robust, aber es zeigen sich zunehmend Schwächen. In den USA wächst das BIP-Wachstum vor allem aufgrund der hohen KI-Investitionen, aber der Konsum steigt nur noch in Haushalten mit höheren Einkommen. Diese Konzentration macht die Wirtschaft anfällig. Jedes Nachlassen wichtiger Faktoren wie KI-Investitionen könnte das Wachstum deutlich bremsen.

 

Drittens verändert KI die Credit-Märkte, sowohl strukturell als auch zyklisch. Kurzfristig treiben die umfangreichen KI-Investitionen die Emissionstätigkeit am Unternehmensanleihemarkt deutlich an. Das erhöhte Angebot könnte die Credit Spreads unter Druck setzen. Mittelfristig ist KI eine attraktive Investmentchance, weil viele Emittenten solide Bilanzen vorweisen können. Die Technologie bringt zudem in allen Sektoren klare Gewinner hervor, aber auch Verlierer. Umso wichtigere ist die Emittentenauswahl.

 

Schließlich sorgen volatile Zinsen und eine heterogene Zentralbankpolitik für zusätzliche Unsicherheit. Gegenläufige Kräfte – Inflationsdruck, nachlassendes Wachstum und KI-Investitionen – machen die Geldpolitik schwer prognostizierbar, sodass die Zinserwartungen schwanken. Die Anleihenerträge hängen vor allem von der Zinsrichtung ab, aber die aktuellen Renditen bieten einen Puffer gegen ungünstige Entscheidungen.

 

Alles in allem sind die Credit Spreads so eng wie nie und verzeihen nur wenige Fehler. Deshalb sind aktive und einzelwertorientierte Ansätze zurzeit so wichtig. Auf Emittentenebene bieten sich weiter attraktive Chancen. Genauso wichtig ist aber, überbewertete Titel zu meiden, weil die Streuung am Markt steigt, können Fehler teuer werden.

Damir Bettini ist Anleihen-Portfoliomanager bei Capital Group. Er hat 34 Jahre Investmenterfahrung und ist seit 18 Jahren im Unternehmen. Er hat einen Bachelor in Luft- und Raumfahrttechnik vom Queen Mary and Westfield College, University of London. Bettini arbeitet in London. 

Haran Karunakaran ist Investmentdirektor Anleihen bei Capital Group. Er hat 21 Jahre Branchenerfahrung und ist seit fünf Jahren im Unternehmen. Er hat einen MBA von der London Business School und einen Bachelor in BWL mit Schwerpunkt Finanzen und Volkswirtschaft von der University of Sydney. Außerdem ist er CFA. Karunakaran arbeitet in Sydney. 

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