KI beginnt gerade erst, die Anleihenmärkte zu verändern. Die konkreten Auswirkungen wird man auf Dauer wesentlich klarer sehen - einiges steht aber jetzt schon fest:
Staatsanleihen: KI kann große Auswirkungen auf die Zinsstrukturkurven haben. Langfristige Produktivitätsgewinne durch Künstliche Intelligenz könnten die Staatsfinanzen der Industrieländer stärken und mehr Wachstum bei weniger Inflation ermöglichen. Langfristig kann die Zinsstrukturkurve dadurch flacher werden, und Staatsanleihen könnten sich wieder besser als sichere Häfen eignen. Bevor KI die Produktivität aber erkennbar steigert, dürften die Staatsschulden erst einmal zunehmen. Das könnte kurzfristig höhere Laufzeitprämien und steilere Zinsstrukturkurven zur Folge haben.
Auch könnten sich die einzelnen Länder stark auseinanderentwickeln, da KI die Produktivität nicht überall gleich stark steigen lässt.
Laufende Erträge und Credits: Die Auswirkungen auf Credits dürften sehr unterschiedlich sein, zumal viel im Fluss ist. Neue Wertpapierarten wie Digital Infrastructure Asset-Backed Securities (ABS) könnten interessant werden. Genau im Blick behalten muss man dabei Emissionsvolumina, neuartige Verbriefungen und ihre Sicherheitenpools sowie die branchen- und länderspezifischen Auswirkungen von KI.
KI in verschiedenen Sektoren
Sektor | Nutzen für Credits | Risiko |
Technologie | Technologieunternehmen sind entscheidend für die KI-Infrastruktur (Chips, Clouds, Netzwerke). Ihre Cashflows sind hoch, und ihre Investmentgrade-Ratings erleichtern den Schuldendienst. | Höhere Investitionen sowie Fusionen und Übernahmen (z.B. KI-Investitionen von Microsoft) können den Margen ebenso schaden wie eine strenge Aufsicht und mehr Wettbewerb. |
Versicherungen | KI erleichtert Risikoprüfung, Schadensabwicklung und Aufdeckung von Versicherungsbetrug. Das steigert die Effizienz und verbessert das Management von Schadensrückstellungen. | Neue Cyberbedrohungen durch KI und neue Versicherungsmodelle können zu neuen Modellrisiken führen. |
Pharmazie | KI beschleunigt Grundlagenforschung und Medikamentenentwicklung; die Kosten sinken, und die Markteinführung geht schneller. | Veränderungen der US-Politik (z.B. Preisvereinbarungen im Rahmen von Medicare) könnten die Margen dämpfen, was KI nur teilweise ausgleichen kann. |
Kommunikation | KI kann Netzwerke optimieren, den Kundenservice automatisieren und damit Einsparungen ermöglichen. Das nützt den Margen und erleichtert den Schuldenabbau. | Hohe Schulden und eine veraltete Infrastruktur bleiben Herausforderungen. Strenge Vorschriften (etwa zu den Umweltfolgen von Festnetzen) machen es nicht einfacher. |
Stromversorger | KI kann Netze stabiler machen, die Wartung vereinfachen und die Nutzung erneuerbarer Energien erleichtern. Das steigert die Effizienz. | Die wachsende, KI-bedingte Stromnachfrage (z.B. durch Datenzentren) ist eine Herausforderung für die Infrastruktur. Vielleicht muss mehr Erdgas genutzt werden, was weniger nachhaltig sein kann. |
Aktives Anleihenmanagement: KI kann Informationen leichter verfügbar und damit mehr Anleger entscheidungsfähig machen. Sie kann aber auch zu einer gewissen Standardisierung der Analysen führen. Wer aktive Risiken eingehen will, kommt aus unserer Sicht auch künftig nicht an eigenen Fundamentalanalysen vorbei, um sich ein differenziertes Bild machen zu können. KI kann aber dabei helfen und dürfte auch den Anleihenhandel verändern. Professionelle Handelsabteilungen sind daher künftig noch wichtiger als bisher.
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Diese Investmentperspektive ist Teil einer umfassender Analyse des Einflusses der aktuellen globalen Verschiebungen – die wir die große globale Neuausrichtung nennen – auf die Investmentchancen.