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Bei einer Erholung dürften Emerging Markets mit stärkeren Fundamentaldaten profitieren
Peter Becker
Direktor für Investitionen
IM ÜBERBLICK
  • Weltweit befinden sich in den Portfolios heute so wenige Emerging-Market-Anleihen wie seit fast zehn Jahren nicht mehr.
  • Wenn sich die Assetklasse erholt, halten wir hohe Mittelzuflüsse für denkbar. Dazu könnte es kommen, wenn die Fed ihre Zinserhöhungen beendet.
  • Davon dürften vor allem Länder mit attraktiven realen Leitzinsen und einer guten Außenbilanz profitieren.

Weltweit befinden sich in den Portfolios heute so wenige Emerging-Market-Anleihen wie seit fast zehn Jahren nicht mehr. 


Für die hohen Abflüsse im letzten Jahr gab es viele Gründe: die steigenden US-Zinsen, die höhere Inflation in den Schwellenländern und der generelle Anstieg der Risikoprämien machten Emerging-Market-Anleihen für internationale Investoren unattraktiver. Zugleich stiegen die Finanzierungskostenfür Emittenten von Hartwährungsanleihen. Insgesamt wurden in den ersten elf Monaten des Jahres netto knapp 100 Milliarden US-Dollar aus Emerging-Market-Anleihen abgezogen.


Nettomittelzuflüsse in Emerging-Market-Anleihen

Die Ergebnisse der Vergangenheit sind keine Garantie für künftige Ergebnisse.

Stand 30. November 2022. Quelle: Deutsche Bank

Deshalb befinden sich weltweit in den Portfolios heute so wenige Emerging-Market-Anleihen wie seit fast zehn Jahren nicht mehr. Die folgende Abbildung zeigt die Lokalwährungsanleihen-Bestände internationaler Investoren. Die Anlagen in chinesische Lokalwährungsanleihen sind zunächst stark gestiegen, 2022 aber wieder gefallen. Ohne chinesische Titel liegen die ausländischen Bestände jetzt um sieben Prozentpunkte unter dem Langfristdurchschnitt, und sie sind um acht Prozentpunkte niedriger als vor Corona. In Prozent der Marktkapitalisierung liegt der Anteil ausländischer Investoren nur in wenigen Ländern über dem Median der letzten zehn Jahre. In Indonesien, Mexiko und Südafrika und vielen anderen Ländern ist er sogar auf einen Tiefststand gefallen.


Emerging-Market-Lokalwährungsanleihen im Besitz ausländischer Investoren

Die Ergebnisse der Vergangenheit sind keine Garantie für künftige Ergebnisse.

Stand 31. Oktober 2022. Quelle: Deutsche Bank

Wenn sich die Assetklasse erholt, halten wir hohe Mittelzuflüsse für denkbar.


Dazu könnte es kommen, wenn die Fed ihre Zinserhöhungen beendet – oder auch schon, wenn sie die Zinsen langsamer anhebt. Nach den starken Zinserhöhungen im letzten Jahr rechnen wir 2023 zwar mit weiteren Zinsschritten, aber auch mit einer langsameren Straffung der Geldpolitik.  Wenn dann wieder Kapital in Emerging-Market-Anleihen fließt, dürften davon vor allem Länder mit attraktiven realen Leitzinsen und guten Außenbilanzen profitieren.


In lateinamerikanischen Ländern wie Brasilien und Mexiko sind die realen Leitzinsen in der Regel höher als in anderen Schwellenländern, weil sie ihre Geldpolitik schneller gestrafft haben, um die Inflation zu bekämpfen. In Lateinamerika scheint sich die Inflation ihrem Höhepunkt zu nähern – nicht nur, weil ihre Zinserhöhungen jetzt (verzögert) greifen, sondern auch, weil die Energiepreise nicht mehr so stark steigen und das Wirtschaftswachstum nachlässt. In Asien dagegen steigt die Inflation weiter (wenn auch langsamer), was daran liegt, dass hier die Wirtschaft später wieder anlief und in einigen Ländern Treibstoffsubventionen abgeschafft wurden. In der CEEMEA-Region (Mittel- und Osteuropa, Naher Osten und Afrika) ist das Bild uneinheitlicher: In manchen Ländern dürfte das Inflationsmaximum bereits überschritten sein, etwa in Südafrika (auch wenn die Kernrate zuletzt wieder zugelegt hat). In Osteuropa bleibt die Teuerungaber hoch.


Der Ausblick für die Außenbilanzen ist ebenfalls recht uneinheitlich Die steigenden US-Zinsen und die generell höheren Risikoprämien machten Dollarfinanzierungen sehr viel teurer. Manchen Ländern ist der Zugang zum Primärmarkt faktisch versperrt, und in den letzten Jahren kam es zu so vielen Restrukturierungen von Staatsschulden wie lange nicht mehr. Meist betraf das Frontiermärkte. 


Bei einigen der weiter entwickelten Schwellenländer sieht das ganz anders aus. Viele sind heute weniger abhängig von Auslandskapital als in früheren volatilen Phasen. Ganz anders sieht es in den höher entwickelten Emerging Markets aus. Viele von ihnen sind heute längst nicht mehr so stark auf ausländisches Kapital angewiesen wie in früheren Schwächephasen. Bei vielen von ihnen sind die Außenhandelsbilanzen und der Zugang zu Kapital gut genug, um volatile Phasen zu überstehen. Zudem haben sie hohe Hartwährungsreserven gebildet, sodass sie noch Luft haben, obgleich sie sie im letzten Jahr angreifen mussten. Hinzu kommt der Realzinsvorsprung gegenüber den USA.


 


Risikofaktoren, die vor einer Anlage zu beachten sind:

  • Dieses Dokument ist weder Anlageberatung noch eine persönliche Empfehlung.
  • Wert und Ertrag von Anlagen können schwanken, sodass Anleger ihr investiertes Kapital ganz oder teilweise verlieren können.
  • Die Ergebnisse der Vergangenheit sind kein Hinweis auf künftige Ergebnisse.
  • Wenn Ihre Anlagewährung gegenüber der Währung aufwertet, in der die Anlagen des Fonds denominiert sind, verliert Ihre Anlage an Wert. Dem soll mit einer Währungsabsicherung entgegengewirkt werden, aber der Erfolg der Absicherungsstrategie wird nicht garantiert.
  • Anlagen in Anleihen, Emerging-Market-Titel und/oder High Yield können mit Risiken einhergehen. Die Emerging-Market-Länder sind volatil und können illiquide sein.


Peter Becker ist Investment Director bei Capital Group. Er verfügt über 23 Jahre Branchenerfahrung und ist seit einem Jahr bei Capital Group tätig. Bevor er zu Capital kam, war Peter Becker Managing Director im Fixed Income Product Management Team bei Wellington Management. Davor war er Portfoliomanager bei Aberdeen Asset Management. Er hat einen Master-Abschluss von der Ingolstadt School of Management. Außerdem ist er Inhaber des Titels Chartered Financial Analyst®. Peter arbeitet in London.


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