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Was hilft bei trüben Aussichten für Emerging-Market-Anleihen?
Luis Freitas De Oliveira
Portfoliomanager

2022 ist ein Jahr voller negativer Schlagzeilen. Der Krieg in der Ukraine, Inflationssorgen und Rezessionsängste haben die Anleger sehr nervös gemacht. David Cheng, Investmentdirektor bei der Capital Group, hat Portfoliomanager Luis Freitas de Oliveira gefragt, wie er das Konjunkturumfeld einschätzt, welche Auswirkungen er für Anlagen in Emerging-Market-Anleihen sieht und wie man seiner Meinung nach angesichts der wachsenden Probleme trotzdem in diese Assetklasse investieren kann.


Wie haben sich Emerging-Market-Anleihen in diesem Jahr entwickelt?


In den letzten Jahrzehnten ist der Markt für Emerging-Market-Anleihen gewachsen und diversifizierter geworden. Deshalb interessieren sich jetzt viel mehr Anleger für diese Assetklasse. Die Emissionsvolumina sind ebenso gestiegen wie die Liquidität, und die Zinsstrukturkurven sind jetzt besser bestückt, sodass wir auch mit der Laufzeitensteuerung Mehrwertchancen nutzen können.


Anfangs bestand der Markt vor allem aus Anleihen mit Zahlungsausfällen aus wenigen großen, vor allem lateinamerikanischen Ländern. Die Erträge waren höher, aber die Risiken auch. Heute ist das Anlageuniversum erheblich größer und diversifizierter, sodass wir aus vielen Anleihen mit unterschiedlichen Risiko-Ertrags-Profilen auswählen können. Wer sich für Hartwährungsanleihen interessiert, hat die Auswahl zwischen Staatsanleihen aus 69 Ländern und vielen Währungen.1Mit der größeren Auswahl ist aber auch das Kreditrisiko gestiegen. Die meisten Länder, die ausschließlich Hartwährungsanleihen begeben, haben niedrigere Ratings, sind exportabhängig und stehen noch am Anfang ihrer Entwicklung zu einem Industrieland. Das zeigt sich auch in der Ratingstruktur. Das durchschnittliche Kreditrating von USD-Staatsanleihen aus den Emerging Markets liegt bei BB+. Bei Lokalwährungsstaatsanleihen beträgt es BBB.


Wie ergeht es den Emerging Markets angesichts der zurzeit hohen Inflation?


Die Emerging Markets (EM) haben viel mehr Erfahrung mit hoher Inflation. Viele EM-Zentralbanken sind deshalb besser vorbereitet. Sie haben viel schneller auf den aktuellen Preisdruck reagiert und die Zinsen lange vor den Industrieländern angehoben. Daher hat die Inflation in einigen Emerging Markets mit hohen Realzinsen bereits ihren Höhepunkt überschritten und sinkt allmählich. Zudem sind einige Emerging-Market-Währungen stabiler geworden und haben somit Finanzbedingungen gestützt, statt für zusätzlichen Inflationsdruck zu sorgen.


Welche Emerging-Market-Anleihen halten Sie für interessant?


Hartwährungs-High-Yield werden mit einem erheblichen Aufschlag gegenüber US-High-Yield gehandelt. Hier erscheinen uns Papiere beispielsweise aus der Dominikanischen Republik, Ägypten und Tunesien attraktiv. Bei Emerging-Market-Unternehmensanleihen gehen wir selektiver vor, und bei chinesischen Anleihen aus dem Immobiliensektor bleiben wir vorsichtig.


Bei Lokalwährungsanleihen halten wir Papiere aus Lateinamerika für interessant, wo die Zinsen bereits stark angehoben wurden. Inflationsindexierte Anleihen (Linker) aus Brasilien, Mexiko und Kolumbien spiegeln bereits höhere Realzinsen wider. Hinzu kommt, dass lateinamerikanische Länder sehr von den steigenden Rohstoffpreisen profitiert haben und weniger von den Folgen des Ukrainekrieges betroffen waren.


Auch in Mitteleuropa sind Chancen in Sicht. Die jahrelange Niedrigzinsphase geht hier zu Ende. In der gesamten Region haben die Zentralbanken ihre Leitzinsen deutlich erhöht, um die Inflation zu bekämpfen. Die Anfangsrenditen sind jetzt erheblich höher und bieten einen guten Einstiegszeitpunkt für Investoren.


1 Stand 31. August 2022. Index: JPMorgan EMBI Global Diversified Index. Quelle: JPMorgan


2 Stand 26. August 2022. GBI-EM GD: JPMorgan GBI-EM Global Diversified Index. EMBI GD: JPMorgan EMBI Global Diversified Index. Quelle: BlackRock Aladdin. Aufgrund von Rundungsungenauigkeiten addieren sich die Zahlen möglicherweise nicht zu 100%. 


 


Risikofaktoren, die vor einer Anlage zu beachten sind:

  • Dieses Dokument ist weder Anlageberatung noch eine persönliche Empfehlung.
  • Wert und Ertrag von Anlagen können schwanken, sodass Anleger ihr investiertes Kapital ganz oder teilweise verlieren können.
  • Die Ergebnisse der Vergangenheit sind kein Hinweis auf künftige Ergebnisse.
  • Wenn Ihre Anlagewährung gegenüber der Währung aufwertet, in der die Anlagen des Fonds denominiert sind, verliert Ihre Anlage an Wert. Dem soll mit einer Währungsabsicherung entgegengewirkt werden, aber der Erfolg der Absicherungsstrategie wird nicht garantiert.
  • Anlagen in Anleihen, Emerging-Market-Titel und/oder High Yield können mit Risiken einhergehen. Die Emerging-Market-Länder sind volatil und können illiquide sein.


Luis Freitas de Oliveira ist Portfoliomanager bei der Capital Group und Chairman von Capital International Sàrl. Er hat einen MBA von der INSEAD in Frankreich und einen Bachelor in VWL von der Universidade Federal de Minas Gerais in Brasilien. Freitas de Oliveira arbeitet in Genf.


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