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Wann wird die Baisse enden?
Darrell Spence
Volkswirt

Angesichts der anhaltenden Talfahrt von Aktien und Anleihen eine Woche nach der letzten Zinserhöhung der US-Notenbank (Fed) fragen sich die Anleger verständlicherweise, wie lange diese schmerzhafte Baisse noch anhalten wird.


„Es war ein schwieriges Jahr, und die Probleme könnten anhalten“, sagt Darrell Spence, Volkswirt der Capital Group. „Aber es ist wichtig, Folgendes zu beachten: Eines der Dinge, die alle vergangenen Baisse-Märkte gemeinsam hatten, ist, dass sie schließlich zu Ende gingen. Letztendlich haben sich die Wirtschaft und die Märkte selbst korrigiert.“


Auch wenn vergangene Marktentwicklungen keine Vorhersage auf zukünftige Ergebnisse zulassen, kann ein Blick auf die Geschichte dennoch aufschlussreich sein. Ausgehend von der Entwicklung früherer Abschwünge dauerten Baisse-Märkte, die mit einer Rezession einhergingen, im Durchschnitt etwa 18 Monate, stellt Spence fest. Es wäre also nicht verwunderlich, wenn diese Entwicklung bis weit ins Jahr 2023 andauern würde.


Angesichts der sich abzeichnenden Rezession in den USA – und wahrscheinlich auch schon in Europa – ist es schwer, einen Katalysator für eine kurzfristige Erholung zu erkennen, so Spence. Aktien und Anleihen dürften weiter unter Druck geraten, solange die Fed ihre Geldpolitik weiterhin aggressiv strafft, um die Inflation einzudämmen, die sich um die 8 % bewegt.


Aktien und Anleihen sind im Zuge der Inflationsbekämpfung der Fed in diesem Jahr ins Stolpern geraten

Quellen: Capital Group, Bloomberg Index Services Ltd., Refinitiv Datastream, Standard & Poor's. Stand: 23. September 2022.

Fed-Zinserhöhungen gehen in die Vollen


Letzte Woche hob die Fed den Leitzins zum dritten Mal seit Juni um 75 Basispunkte an. Diese Erhöhung bewirkte eine Anhebung des Leitzinses auf einen Zielkorridor von 3,00 % bis 3,25 %, den höchsten Stand seit 2008. Nach den jüngsten Prognosen der Fed beabsichtigt die Zentralbank, diesen Satz in den kommenden Monaten auf über 4,50 % anzuheben.


Notenbankchef Jerome Powell bestätigte die restriktive Haltung der Fed und betonte, dass straffere finanzielle Bedingungen notwendig seien, um das Ziel der Wiederherstellung der Preisstabilität zu erreichen. Das bedeutet, dass die Inflationsrate näher an das von der Fed angestrebte Inflationsziel von 2 % herangeführt werden soll.


„Wir müssen die Inflation in den Griff bekommen“, sagte Powell bei der Bekanntgabe der Geldpolitik der Fed am 21. September. „Ich wünschte, es gäbe eine schmerzlose Möglichkeit, das zu tun. Doch die gibt es nicht.“


Seitdem sind die Finanzwerte stark gefallen, belastet von der Erkenntnis, dass die Fed und andere Zentralbanken weltweit die Zinsen möglicherweise stärker anheben müssen als bisher erwartet. Der S&P 500 Index, der Dow Jones Industrial Average und der technologielastige Nasdaq Composite befinden sich alle in einer Baisse, d. h. der Rückgang gegenüber dem letzten Höchststand beläuft sich auf mindestens 20 %. Der US-Anleihemarkt, der durch den Bloomberg U.S. Aggregate Index repräsentiert wird, ist seit Jahresbeginn (Stand: 23. September) um etwa 14 % gefallen.


Zunehmende Probleme in Europa


Die Märkte sind zudem aufgrund von Ereignissen wie der Ausweitung des Krieges in der Ukraine durch Russland, einem wirtschaftlichen Abschwung in Europa und einem umstrittenen Steuersenkungsvorschlag im Vereinigten Königreich, der Ängste vor einer Finanzkrise ausgelöst hat, unter Druck geraten.


Eine Rezession in Europa könnte bereits im Gange sein. Grund dafür sind die Auswirkungen der höheren Energiepreise, die durch den Krieg noch verschärft wurden, so der europäische Volkswirt der Capital Group, Robert Lind. Ein harter Winter könnte die Lage verschlimmern und die Energiepreise noch weiter steigen lassen.


„Tiefe und Dauer der Rezession werden weitgehend von zwei Faktoren abhängen: Dem Krieg und dem Wetter“, sagt Lind. „Beides lässt sich nicht vorhersagen.“


Gleichzeitig, fügt Lind hinzu, haben die Europäische Zentralbank und die Bank of England keine andere Wahl, als die Zinssätze weiter anzuheben, da sie mit dem gleichen hohen Inflationsniveau konfrontiert sind wie die USA. Er geht davon aus, dass die EZB und die BoE die Zinssätze im Herbst und Winter anheben werden.


Der Richtungswechsel der Fed


Mit Blick auf das Jahr 2023 werden sich die Anleger auf eine weitere Schlüsselfrage konzentrieren: Wann wird die Fed mit der Anhebung der Zinssätze aufhören oder sogar mit einer erneuten Senkung beginnen?


Im Moment hat die Fed kaum Anlass, ihren Kurs zu ändern, meint Jared Franz, Volkswirt der Capital Group. Die Verbraucherausgaben sind relativ robust. Der US-Arbeitsmarkt ist extrem stark. Die Arbeitslosenquote liegt weiterhin nahe dem Rekordtief von 3,7 %.


Sobald die Arbeitslosenzahlen jedoch steigen – wie es typischerweise während einer Rezession der Fall ist –, werden die Verantwortlichen der Fed gezwungen sein, zwischen der Bekämpfung der Inflation und der Arbeitslosigkeit von Millionen von Amerikanern zu wählen, erklärt Franz.


„Bei einer Arbeitslosenquote von unter 4 % ist es leicht, die Inflation zu bekämpfen“, sagt Franz. „Aber was passiert, wenn sie auf 6 % oder 7 % steigt? Meiner Meinung nach ist das ungefähr die Schmerzgrenze der Fed. Bei dem derzeitigen Tempo der Zinserhöhungen sind wir auf dem besten Weg, in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres eine Arbeitslosenquote von 7 % zu erreichen. In diesem Umfeld wäre es meines Erachtens sehr schwierig, an der straffen Geldpolitik festzuhalten.“



Darrell Spence ist Volkswirt bei der Capital Group. Er verfügt über 29 Jahre Erfahrung in der Investmentbranche, die er alle bei der Capital Group verbrachte. Er hat einen BA (Honors) in Volkswirtschaft vom Occidental College und cum laude abgeschlossen. Außerdem ist er Chartered Financial Analyst® sowie Mitglied der National Association for Business Economics. Darrell arbeitet in Los Angeles.


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