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Fünf Gründe für eine Anlage in US-High-Yield
Shannon Ward
Anleihenportfoliomanagerin
Peter Becker
Direktor für Investitionen
Flavio Carpenzano
Investmentdirektor
IM ÜBERBLICK
  • Der amerikanische High-Yield-Markt scheint so gesund und stabil wie seit Jahren nicht mehr.
  • Die guten Fundamentaldaten dürften weiter für niedrige Ausfallquoten sorgen.
  • Renditen von zuletzt über 8% mindern das Verlustrisiko bei steigenden Zinsen.

Endlich wird High Yield wieder seinem Namen gerecht Zurzeit bietet die Assetklasse Renditen im hohen einstelligen Bereich, was sie trotz wachsender Rezessionsrisiken für Anleger wieder interessant macht. Wir halten aber ohnehin nichts von Market Timing.


Renditen in dieser Größenordnung haben sich in der Vergangenheit meist nicht lange gehalten, da die niedrigen Kurse unterschiedlichste Investoren anlockten – auch weil hohe laufende Erträge mögliche Kursverluste abfedern können.


High-Yield-Investoren kommt auch zugute, dass Rückkäufe und vorzeitige Rückzahlungen für Cashflows sorgen, die sich möglicherweise zu höheren Zinsen neu anlegen lassen.


Im Folgenden beschreiben wir fünf Entwicklungen, die zurzeit für amerikanische High-Yield-Anleihen sprechen. Wir zeigen, wie wir in unsicheren Zeiten investieren und welche Makrofaktoren für die Märkte besonders wichtig sind.


Zweifellos sind die Zeiten gerade nicht einfach. Weil die Fed wegen der hohen Inflation ihre Geldpolitik massiv strafft, könnte sogar eine Rezession drohen. Wie erwartet hat die amerikanische Notenbank ihren Leitzins auf der Septembersitzung um 75 Basispunkte angehoben. Aber wie stark wird die Konjunktur einbrechen?


Wenn die Zinserhöhungen nicht reichen, um den Preisauftrieb einzudämmen, oder wenn die Fed die Wirtschaft in eine lange und tiefe Rezession treibt, können High-Yield-Anleihen – sowie Unternehmensanleihen und risikobehafteten Assetklassen generell – schwierige Zeiten bevorstehen.


Man könnte jetzt einwenden, dass ein solches Negativszenario schon in den Kursen berücksichtigt ist. Schließlich waren die Renditen der meisten Anleihenmarkt¬segmente bis Ende August negativ und lagen teilweise deutlich unter null. Sollte der Fed aber eine „weiche Landung“ der Konjunktur gelingen, könnte High Yield kräftig zulegen. Für Anleger kann die Assetklasse daher interessant sein, zumal wir weite Teile des Marktes für recht stabil halten. In der aktuellen Lage setzen wir nämlich auf Qualität.


1. Bessere Fundamentaldaten und nachlassende Neuemissionen stützen den Markt


Trotz der schwächeren Konjunktur scheint der amerikanische High-Yield-Markt so gesund und stabil wie seit Jahren nicht mehr. Die Wirtschaft mag schwächer sein, aber die Assetklasse ist heute stärker. Zusammen hat das die Spreads auf etwa 480 Basispunkte steigen lassen, was dem Vergangenheitsdurchschnitt entspricht. Die Yield to Worst des Benchmarkindex, des Bloomberg US Corporate High Yield 2% Issuer Capped Index, hat Ende August auf 8,4% zugelegt.


High-Yield-Spreads und Renditen entsprechen dem Langfristdurchschnitt

Stand der Daten 31. August 2022. OAS: optionsbereinigter Spread, YTW: Yield to Worst. Quelle: Bloomberg

Gut ist auch, dass kurzfristig nur wenige große Refinanzierungen anstehen. Die Finanzverantwortlichen der Unternehmen waren klug genug, die niedrigen Zinsen und die günstigen Kreditbedingungen der letzten Jahre zu nutzen, um ihren Finanzbedarf zu decken. Vor allem 2021 konnten Unternehmen ihr kurzfristiges Fremdkapital außerordentlich günstig refinanzieren und dessen Laufzeit um mehrere Jahre verlängern.


Als die Renditen dann allmählich stiegen, hatten sich viele Unternehmen für mehrere Jahre günstige Fremdkapitalzinsen gesichert. Sie können deshalb jetzt abwarten und müssen keine neuen Anleihen zu höheren Zinsen begeben. Oft stehen Refinanzierungen erst wieder 2025 an. Das Emissionsvolumen könnte daher noch mindestens ein Jahr recht niedrig bleiben – es sei denn, die Renditen fallen oder die High-Yield-Spreads gehen zurück.


Von Januar bis August 2022 wurden in den USA für etwa 92 Milliarden US-Dollar High-Yield-Anleihen begeben, gegenüber etwa 366 Milliarden US-Dollar im entsprechenden Vorjahreszeitraum.1 Chancen bietet daher jetzt vor allem der Sekundärmarkt. Hier analysieren wir Bewertungsunterschiede zwischen verschiedenen Fremdkapitalarten, Emittenten aus derselben Branche und auch zwischen den Branchen.


Sorgen machen uns allerdings Titel mit niedrigeren Ratings. Hier haben viele Unternehmen vor der Ausgabe neuer Anleihen auf bessere Geschäftsaussichten gewartet. Jetzt könnten sie die Chance auf eine zinsgünstige Refinanzierung verpasst haben. Aber auch hier dürfte es einige solide Emittenten geben, die jetzt neue Anleihen mit höheren Coupons an den Markt bringen.


Viele Unternehmen haben sich refinanziert und können jetzt abwarten

Stand der Daten 30. Juni 2022. Volumen fälliger Anleihen nach Kalenderjahren (in US-Dollar, 2022 bis 2030). Quelle: Bloomberg

2. Die Ausfallquoten dürften niedrig bleiben


Hinzu kommen die guten Fundamentaldaten, die auch in Zukunft für niedrige Ausfallquoten sorgen dürften. Mit weniger als 1% waren die Ausfälle von High Yield in den letzten zwölf Monaten sehr gering. Um die Entwicklung der Ausfallquote zu prognostizieren, achten wir auf den Anteil der Anleihen, die zu sehr niedrigen Kursen notieren. Das kann ein Frühindikator für die künftige Ausfallquote sein. Distressed Debt hat zurzeit nur einen Marktanteil im mittleren einstelligen Bereich. Demzufolge rechnen wir zwar mit einem Anstieg der zurzeit sehr niedrigen Ausfallquote, aber keinesfalls mit einem starken.


Wichtig ist auch der Anteil von Anleihen mit einem Rating von höchstens CCC. Mit etwa 12% ist er nicht weit von seinem Allzeittief entfernt. Im Dezember 20072, kurz vor der Rezession infolge der internationalen Finanzkrise, betrug er 20%. Zusammen sprechen diese drei Faktoren – eine Ausfallquote auf einem Allzeittief von etwa 1%, nur etwa 12% Titel mit einem Rating von CCC und schwächer und ein Distressed-Debt-Anteil im mittleren einstelligen Bereich – für eine gute Kreditqualität am Markt.


Ausfallquoten von High Yield niedrig wie selten

Stand der Daten 31. Juli 2022. Rollierender 12-Monats-Durchschnitt Quelle: JPMorgan

 


1 Stand 31. August 2022. Quelle: Refinitiv


2 Stand 31. August 2022. Quelle: FAMIS


 


Risikofaktoren, die vor einer Anlage zu beachten sind

  • Dieses Dokument ist keine Investmentberatung oder persönliche Empfehlung.
  • Der Wert von Anlagen und Erträgen kann schwanken, sodass Anleger ihr investiertes Kapital möglicherweise nicht oder nicht vollständig zurückerhalten.
  • Die Ergebnisse der Vergangenheit sind kein Hinweis auf zukünftige Ergebnisse.
  • Wenn Ihre Anlagewährung gegenüber der Währung aufwertet, in der die Anlagen des Fonds denominiert sind, verliert Ihre Anlage an Wert. Durch Währungsabsicherung wird versucht, dies zu begrenzen, aber es gibt keine Garantie, dass die Absicherung vollständig erfolgreich ist.
  • Anlagen in Anleihen, Emerging-Market-Titel und/oder High Yield können mit Risiken einhergehen. Die Emerging-Market-Länder sind volatil und können illiquide sein.


Shannon Ward ist Anleihenportfoliomanagerin mit 28 Jahren Erfahrung (Stand 31. Dezember 2020). Sie hat einen MBA von der University of Southern California und einen Bachelor in Psychologie von der University of California, Santa Barbara.

Peter Becker ist Investment Director bei Capital Group. Er verfügt über 23 Jahre Branchenerfahrung und ist seit einem Jahr bei Capital Group tätig. Bevor er zu Capital kam, war Peter Becker Managing Director im Fixed Income Product Management Team bei Wellington Management. Davor war er Portfoliomanager bei Aberdeen Asset Management. Er hat einen Master-Abschluss von der Ingolstadt School of Management. Außerdem ist er Inhaber des Titels Chartered Financial Analyst®. Peter arbeitet in London.

Flavio Carpenzano ist Investmentdirektor Anleihen bei Capital Group. Er hat 17 Jahre Investmenterfahrung und ist seit einem Jahr bei der Capital Group. Er besitzt einen Master-Abschluss in Finanz- und Wirtschaftswissenschaften von der Università Bocconi. Flavio arbeitet in London. 


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