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Investmentperspektiven der Capital Group

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Ausblick
Ausblick für Anleihen: Was man wissen sollte, wenn die Angst vor der Fed die Märkte belastet
Ritchie Tuazon
Portfoliomanager für festverzinsliche Anlagen
Rob Neithart
Portfoliomanager für Anleihen
Tara Torrens
Anleihenportfoliomanagerin

Der Weg zu höheren Zinssätzen ist schmerzhaft, dürfte aber langfristig den Anleiheanlegern zugute kommen.


Die US-Notenbank (Fed) hat ihren Leitzins im Juni um 0,75 % auf 1,50 bis 1,75 % angehoben, die stärkste Erhöhung seit 1994. Die Zentralbank kündigte außerdem weitere Erhöhungen um 1,75 % an. Die politischen Entscheidungsträger hoben insbesondere die mittlere Jahresendprognose für den Leitzins auf eine Spanne zwischen 3,25 % und 3,50 % an.


US-Anleihen sind in diesem Jahr bisher um mehr als 10 % gefallen, aber es gibt Anzeichen dafür, dass das Schlimmste überstanden sein könnte. Angesichts der Bemühungen der Fed, die Wirtschaft in Richtung einer viel diskutierten weichen Landung zu lenken, gibt es für Anleger mehrere Gründe, in Anleihen zu investieren.


1. Große Rückgänge können Chancen bieten


Anleiheinvestoren haben sich mit Schuldtiteln eingedeckt, als die Kurse stark zurückgingen, weil sie befürchteten, dass die Bemühungen der US-Notenbank zur Eindämmung der Inflation das Wirtschaftswachstum stark belasten könnten. Der Kaufrausch verhalf den meisten Anleihesektoren im Mai zu positiven Renditen.


Fragen, die zu der Volatilität geführt haben, bleiben bestehen, aber jetzt könnte der richtige Zeitpunkt gekommen sein, um Ängste in Taten umzusetzen. „Die Schwankungen an den Aktienmärkten werden sich wahrscheinlich fortsetzen, aber es ist nicht zu erwarten, dass die Anleihemärkte noch einmal 10 % fallen werden“, so Portfoliomanager Ritchie Tuazon.


Der Abwärtsdruck hat die Bewertungen der meisten Anleihen wieder auf den Boden der Tatsachen und in Einklang mit den Erwartungen gebracht. Dies könnte ein attraktiver Einstiegspunkt für Anleger sein.


Ein Engagement in hochwertigen Anleihenfonds kann wieder die von den Anlegern gewünschte Diversifizierung bieten, insbesondere in Zeiten erhöhter Aktienvolatilität. Anleger können auch in verschiedenen Anleihesektoren nach Gelegenheiten suchen, Anlageziele wie Einkommen und Inflationsschutz zu erreichen.


2. Die aktuellen Anleiherenditen spiegeln weitgehend die inflationsbedingten Zinserhöhungen wider


Die Zinserhöhungen der Fed und die Verringerung der Bilanzsumme deuten darauf hin, dass der Schwerpunkt auf der Eindämmung der Inflation liegt. Aber es bleibt noch einiges zu tun.


Der US-Verbraucherpreisindex ist im Mai um 8,6 % gestiegen und lag damit um 1 % höher als im April. Die Kerninflation, bei der Lebensmittel und Energie nicht berücksichtigt werden, ist gegenüber dem Vormonat um 0,6 % gestiegen.


Preisanstieg im Dienstleistungssektor könnte schwieriger zu bremsen sein

Stand: 31.05.2022. Quelle: US Bureau of Labor Statistics

Der Gesamtwert ist besorgniserregend. „Ich denke, dass die Fed mit ihren Zinserhöhungen immer noch hinter der Kurve liegt“, fügt Tuazon hinzu.


Die Preise für einige Artikel, die während der COVID-Lockdowns stark nachgefragt wurden, haben wahrscheinlich einen Höchststand erreicht. Ein typisches Beispiel: Während der Pandemie stiegen die Holzpreise parallel zu den Hausverkäufen und Renovierungen sprunghaft an, sind aber seit Jahresbeginn um 50 % gesunken. Dagegen sind die Preise für Dienstleistungen und Güter des täglichen Bedarfs wie Lebensmittel, Wohnraum und Energie in die Höhe geschnellt. „Dies könnte einer der Fälle sein, in denen das eine das andere ablöst und die Inflation hoch bleibt“, so Tuazon.


Die anhaltende Inflation könnte die Fed dazu zwingen, ihren Zinspfad nach oben zu korrigieren. Da die Anleger ihre Anleihen jedoch überwiegend unter Berücksichtigung des aggressiveren Plans bepreist haben, dürften künftige Anpassungen kaum zu Turbulenzen am Anleihemarkt führen.


Im nächsten Jahr werden die Anleiherenditen wahrscheinlich nicht mehr so stark ansteigen wie seit Juli 2021, als auf den Märkten die Sorge vor einer erhöhten Inflation aufkam.


Renditeerwartungen für Staatsanleihen zeigen, dass Zinserhöhungen weitgehend eingepreist sind

Veränderung der Renditen 10-jähriger Staatsanleihen (in %)

Daten mit Stand zum 15.06.2022. Quelle: Bloomberg

3. Festverzinsliche Anlagen bringen wieder Erträge


Anleger könnten schon bald von den höheren Zinsen profitieren.


Die Renditen von Anleihen sind seit den Tiefstständen der letzten Jahre stark angestiegen. In allen Anleihesektoren sind die Renditen, die bei fallenden Anleihekursen steigen, sprunghaft angestiegen. Auf längere Sicht bringen steigende Renditen mehr Erträge aus Anleihen.


Anleihen bieten die besten Ertragschancen seit Jahren

Renditen der wichtigsten Anleihemärkte (in %)

Daten mit Stand zum 15.06.2022. Die oben genannten Sektorrenditen beziehen sich auf den Bloomberg Global Aggregate Index, den Bloomberg Global Aggregate Corporate Index, den Bloomberg Global High Yield Index und eine Mischung aus 50% JPMorgan EMBI Global Diversified Index / 50% JPMorgan GBI-EM Global Diversified Index. Der betrachtete Zeitraum reicht von 2020 bis heute. Daten für Tiefststände von oben nach unten im Diagramm sind: 04.08.20, 31.12.20, 06.07.21 und 04.01.21. Quellen: Bloomberg, JPMorgan 

Allerdings gibt es immer noch Fallstricke, so dass ein aktiver Ansatz hilfreich sein könnte. Obwohl eine Rezession in den USA nicht unmittelbar bevorzustehen scheint, könnten sich die Kreditspreads ausweiten, da sich die Anleger auf die Wahrscheinlichkeit einer solchen einstellen, erklärt Portfoliomanagerin Tara Torrens.


Bestimmte defensiv ausgerichtete Branchen wie das Gesundheitswesen und die Nahrungsmittelindustrie könnten in diesem Umfeld eher Substanz bieten. Auch Rohstoffunternehmen können in einer späten Phase des Zyklus eine sichere Bank sein. „Es gibt immer Gelegenheiten, aber ich behalte viel Liquidität, die dann umgeschichtet werden könnte, wenn wir die Art von Spread-Ausweitung sehen, die ich erwarte“, so Torrens.


Schwellenländeranleihen – eine Sparte des Anleihemarktes mit besonders hoher Volatitlität – bieten ebenfalls einige Chancen. Laut Portfoliomanager Rob Neithart haben mehrere Länder die Zinssätze vor der US-Notenbank angehoben und stehen finanziell gut da. Ein aktiver Ansatz kann den Anlegern angesichts der Feinheiten von Anlagen in Schwellenländern helfen, die richtigen Anlageideen zu erkennen.


Die aktuellen Renditen haben für attraktive Erträge gesorgt


Bei den gegenwärtigen Renditen legen die historischen Daten höhere Gesamterträge für die nächsten Jahre nahe. Dies bedeutet, dass Anleger von einer Investition in allen festverzinslichen Anlageklassen, einschließlich Hochzinsanleihen, profitieren könnten. 


Höhere Renditen haben zu höheren Gesamterträgen geführt

Zinssätze zum 15.06.22. Renditen zum 31.05.22 in USD.  Die Daten reichen für alle Sektoren bis ins Jahr 2000 zurück, mit Ausnahme von Schwellenländeranleihen, die bis 2003 zurückreichen. Basierend auf den durchschnittlichen monatlichen Renditen für jeden Sektor bei einer Spanne von +/- 0,30 % Yield-to-Worst. Die oben genannten Sektorrenditen beziehen sich auf den Bloomberg Global Aggregate Index, den Bloomberg Global Aggregate Corporate Index, den Bloomberg Global High Yield Index und eine Mischung aus 50% JPMorgan EMBI Global Diversified Index / 50% JPMorgan GBI-EM Global Diversified Index. Quellen: Capital Group, Bloomberg

„Die durchschnittlichen jährlichen Erträge für den US-Hochzinsmarkt liegen historisch gesehen bei etwa 6 bis 8 %. Wir befinden uns wieder auf einem Ausgangsniveau, auf dem diese Erträge mit einem mehrjährigen Anlagehorizont erzielt werden könnten, was zum ersten Mal seit langem der Fall ist“, so Torrens.


Was spricht jetzt für Anleihen?


Die Anleger haben eine ganze Reihe von Gründen, pessimistisch zu sein: Krieg in der Ukraine, Inflation und die Angst vor einer drohenden Rezession. Es kam zu hohen Kursverlusten, als die Anleger befürchteten, die Fed könnte das Wachstum bremsen, wenn sie die Zinsen anhebt und ihre Wertpapierkäufe beendet.


Zwar bleiben die Risiken bestehen, doch haben die Anleiheinvestoren Zinserhöhungen weitgehend eingepreist. Jetzt könnte ein attraktiver Einstiegspunkt sein, insbesondere für diejenigen, die Anleihen zur Abfederung der Aktienvolatilität nutzen.


„Trotz all der negativen Schlagzeilen gibt es einiges, das positiv stimmt“, so Tuazon. „Die Ergebnisse der Vergangenheit sind zwar keine Garantie für künftige Ergebnisse, aber eine langfristige Perspektive kann den Anlegern helfen zu erkennen, dass Renditen auf dem derzeitigen Niveau in der Vergangenheit mehr Gewinne und attraktive Erträge gebracht haben.“



Ritchie Tuazon ist Portfoliomanager für festverzinsliche Wertpapiere mit 20 Jahren Branchenerfahrung. Er hat einen MBA vom MIT sowie einen Master in öffentlicher Verwaltung von Harvard und einen Bachelor-Abschluss von der University of California, Berkeley.



Rob Neithart ist Chairman von Capital Strategy Research und verfügt über 29 Jahre Investmenterfahrung, alle bei Capital Group. Er ist CFA und hat einen Bachelor in Wirtschaftswissenschaften vom Occidental College.

 

Tara L. Torrens ist Anleihenportfoliomanagerin bei der Capital Group. Sie hat 17 Jahre Investmenterfahrung ausschließlich in unserem Unternehmen. Sie hat einen Master und einen Bachelor in Finanzen von der University of Wisconsin-Madison. Außerdem ist sie CFA®. Torrens arbeitet in New York.


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