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Aktuell: Indien wird in den Index aufgenommen
Kirstie Spence
Portfoliomanagerin
IM ÜBERBLICK
  • JPMorgan hat bestätigt, Indien Ende Juni 2024 in die GBI-EM-Indexfamilie aufzunehmen. Sein Anteil am GBI-EM GD Index wird bis März 2025 auf den Maximalwert von 10% steigen.
  • Die passiven und aktiven Zuflüsse dürften sich auf etwa 20 bis 40 Milliarden US-Dollar belaufen.
  • Durch die Aufnahme Indiens in den GBI EM GD werden die Anteile Thailands, Polens, Südafrikas und der Tschechischen Republik sinken. 

Am Freitag kündigte JPMorgan an, dass indische Staatsanleihen in seine GBI-EM-Indizes1 aufgenommen werden, auch in den viel genutzten GBI-EM (Emerging Market) Global Diversified Index. Anfangs, also im Juni 2024, wird das Land einen Anteil von 1% am Index haben, der bis März 2025 nach und nach auf die maximal möglichen 10% steigen wird.


Der Markt für indische Staatsanleihen ist nach China der zweitgrößte Anleihenmarkt der Schwellenländer, und Indien ist der einzige Emerging Market mit einem Investmentgrade-Rating. Trotzdem ist das Land noch in keinem wichtigen Anleihenindex vertreten. Seit 2021 stehen indische Staatsanleihen auf der Beobachtungsliste für eine Aufnahme, nachdem das Land 2020 sein FAR-Programm (Fully Accessible Route)2 eingeführt hatte.  Bislang hatten steuerliche Gründe die Aufnahme in den Index verhindert, aber jetzt scheint sie zu erfolgen, ohne dass sich Indien zu einer Veränderung der Steuerstruktur verpflichtet hat. Zurzeit sind 23 indische Staatsanleihen mit 330 Milliarden US-Dollar Nominalwert für die Aufnahme geeignet, um den Anteil des Landes auf die maximal möglichen 10% zu bringen.3


Die Auswirkungen der Aufnahme für Indien und die übrigen Emerging Markets


Trotz der Größe und Liquidität indischer Staatsanleihen ist die Zahl der ausländischen Investoren so gering wie in kaum einem anderen Schwellenland.4 Es besteht eine große Chance, dass sich das in den nächsten Jahren erheblich ändert. Nach Schätzungen von Goldman Sachs könnte die Aufnahme Indiens in den Index passive Zuflüsse von etwa 30 und aktive von weiteren 10 Milliarden US-Dollar zur Folge haben, weil die Nominalrenditen indischer Staatsanleihen mit etwa 7% vergleichsweise hoch sind und ihre Volatilität relativ niedrig ist.5


Durch diese Zuflüsse dürften die Renditen indischer Staatsanleihen fallen, und die Rupie wird vermutlich aufwerten. Allerdings bestehen Risiken, darunter ein Anstieg der Rohölpreise und Indiens Reis-Exportverbot. Mittelfristig könnten die Zuflüsse die Staatshaushalts- und Leistungsbilanzdefizite des Landes mitfinanzieren. Zudem dürfte die Diversifikation der Investorenbasis den Anleihenmarkt vielfältiger und breiter machen, sodass die Finanzierungskosten des Landes sinken könnten, ohne dass das Risiko einer Verdrängung durch den Staat besteht. Langfristig werden die Kapitalkosten zurückgehen, was mehr Investitionen und vielleicht auch mehr Wachstum ermöglicht.


Sobald Indien den Maximalanteil von 10% erreicht hat, wird der GBI-EM Global Diversified Index fast zur Hälfte aus asiatischen Anleihen bestehen. Nach Angaben von JPMorgan dürften China und Indonesien weiterhin 10% Anteil am Index haben, während die Anteile von Mexiko, Malaysia und Brasilien darunter liegen werden. Am stärksten werden sich die Anteile von Thailand, Südafrika, Polen und der Tschechischen Republik verkleinern.  Unterdessen dürften die Renditen und die Duration des GBI-EM Diversified Index um 8 Basispunkte und um 0,24 Jahre steigen, wenn Indien seine 10% erreicht hat. Die Renditen des GBI-EM Global Index werden vermutlich um 33 Basispunkte zulegen.6


Anlagen in indische Staatsanleihen


Als aktiver Manager investiert Capital Group bereits seit weit über zehn Jahren in indische Staatsanleihen. Weil der indische Anleihenmarkt groß ist und das Land auf breiter Front wirtschaftliche Fortschritte macht, war und ist Indien für unsere Anleihenmanager ein attraktiver Markt. Kürzlich ist auch die Inflation wieder auf ihren Zielwert zurückgegangen, und die Regierung treibt die Konsolidierung des Staatshaushalts voran.  Unsere Positionen in indischen Staatsanleihen haben nicht nur in unterschiedlichen Phasen des Konjunkturzyklus des Landes attraktive Renditen erzielt, sondern auch zur Diversifikation und Stabilisierung beigetragen.


Weil die Anleihengläubiger hauptsächlich aus dem Land selbst stammen, ist der Markt in der Regel weniger volatil, weil er nicht so stark von Veränderungen der internationalen Kapitalflüsse bestimmt wird. Die Zusammensetzung der ausländischen Investoren hat zudem das Risiko-Ertrags-Profil des Marktes beeinflusst. Unter den recht wenigen ausländischen Gläubigern sind Investoren, die nicht ausschließlich in Emerging Markets anlegen gegenüber den reinen Emerging-Market-Investoren in der Mehrzahl. Das hat die Papiere zu einem effizienten Diversifikationsinstrument in unserer Strategie für Lokalwährungsanleihen gemacht.


Einige der technischen Faktoren werden sich vermutlich durch die Aufnahme Indiens in den Index ändern. Dank der Researchkompetenz von Capital Group werden wir Investoren aber weiter einen direkten und effizienten Zugang zu diesem dynamischen Markt verschaffen, indem wir die Chancen nutzen, die durch die Aufnahme Indiens entstehen.


1 JP Morgan Global Bond Index – Emerging Markets.


2 Die Fully Accessible Route ermöglicht ausländischen Investoren, ohne Einschränkungen in indische Staatsanleihen zu investieren.


3 Quellen: Capital Group. Stand 22. September 2023.


4 1,85% der indischen Staatsanleihen werden von ausländischen Investoren gehalten. Quellen: Morgan Stanley. Stand 22. September 2023.


5 Quellen: Goldman Sachs. Stand 22. September 2023. 


6 Quellen: JPMorgan. Stand 21. September 2023.



Kirstie Spence ist eine Portfoliomanagerin für Anleihen mit 27 Jahren Investmenterfahrung. Sie hat einen Master-Abschluss mit Auszeichnung in Deutsch und internationalen Beziehungen von der University of St. Andrews, Schottland.


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