Industrieunternehmen und Produkthersteller scheinen sich von ihrer langen Schwächephase zu erholen. Einige von ihnen haben ihre Prozesse optimiert und Kosten gesenkt, sodass sie stärker am allgemeinen Wachstum partizipieren könnten. Ein Beispiel ist der Schienennetzbetreiber Union Pacific. Er plant die Übernahme seines Konkurrenten Norfolk Southern Railway, wodurch ein durchgängiges Schienennetz durch die gesamten USA bis nach Kanada entstünde. „Das würde die Reisezeit verkürzen, das Unternehmen wettbewerbsfähiger gegenüber Lastwagen machen und die Kosten der Kunden senken“, so Ezzes. Auch der Rivale CSX hat Maßnahmen getroffen, um Kosten zu senken und die Effizienz zu steigern.
In der Industrie profitieren zudem Luftfahrt- und Rüstungsunternehmen von der größeren Reisenachfrage und weltweit steigenden Verteidigungsbudgets. So lagen GE Aerospace Anfang des Jahres für seine Flugzeugtriebwerke Aufträge in Höhe von 190 Milliarden US-Dollar vor. Auch der für seine hoch entwickelten Radar- und Raketenabwehrsysteme bekannte US-Konzern RTX freut sich schon jetzt über eine höhere Nachfrage, da viele Länder aus Europa und dem Nahen Osten ihre Streitkräfte modernisieren wollen. „Aus meiner Sicht befinden wir uns inmitten eines Superzyklus für die Luftfahrtindustrie“, sagt Ezzes.
In der Gastronomie bevorzugen Gäste noch immer Restaurants, in denen sie von Menschen bedient werden. Deshalb legt etwa die Coffeeshop-Kette Starbucks großen Wert auf die Kundenerfahrung. CEO Brian Niccol, der schon viele Unternehmen zurück zum Erfolg geführt hat, kennt die Unternehmensprozesse genau.
Der Gesundheitssektor ist aufgrund neuer Regulierungen und Preisänderungen unter Druck geraten. Aber auch hier gibt es Hersteller stark regulierter Produkte, die nur schwer zu kopieren sind. Zu ihnen zählt Medtronic, das in über 70 Fabriken weltweit chirurgische Instrumente produziert. Das Unternehmen hat seine Kosten gesenkt, indem es unter anderem Vertriebszentren zusammengelegt und seine Diabetes-Sparte ausgegliedert hat. „Solche Geschäftsmodelle profitieren von hohen Eintrittsschranken sowie davon, dass die Bevölkerung altert und die Nachfrage nach medizinischen Behandlungen steigen dürfte“, fügt Ezzes hinzu.
2. Mit dem KI-Bad ausgeschüttet
Zu den Unternehmen, die sehr stark auf KI-Störungen reagieren – wir haben sie oben als „Opfer“ bezeichnet –, zählen viele Firmen aus den Sektoren Software, Finanzen und Beratung. Nachdem der KI-Entwickler Anthropic im Februar gesagt hat, dass seine agentische KI Claude viele Research- und juristische Aufgaben automatisieren könnte, sind die Kurse von LegalZoom.com, Thomson Reuters und FactSet Research Systems, die genau das anbieten, stark gefallen.
„Die Marktteilnehmer scheinen zu dem Schluss gekommen zu sein, dass viele Unternehmen aus dem Bereich Software-as-a-Service (SaaS) wegen des Wettbewerbs durch KI dauerhaft an Wert verlieren werden“, sagt Aktienportfoliomanager Mark Casey. „Für einige mag das gelten, aber andere sind gut vor KI-Risiken geschützt, und wieder andere werden von KI profitieren. Ich beobachte viele dieser Unternehmen, um jene zu erkennen, die sprichwörtlich ‚mit dem Bade ausgeschüttet‘ wurden.“
Eines davon ist Salesforce, eine Customer-Relationship-Plattform, die im Mittelpunkt der Befürchtungen einer Disruption stand und deren Kurs in diesem Jahr eingebrochen ist. Man fürchtete, dass Kunden und Wettbewerber mittels KI-Tools die Funktionen der Plattform kopieren könnten. Salesforce unternimmt zugleich aber viel, um KI in sein Angebot zu integrieren. Das Unternehmen dient seinen Kunden als primäre Datenquelle und ist eng in wichtige Geschäftsabläufe eingebunden. Dies könnte ihm ausreichende Vorteile verschaffen, um sich gegen konkurrierende KI-gestützte Lösungen zu behaupten.
Auch IT-Berater wie Gartner und Accenture, die Unternehmen Research und Beratungsleistungen bei Technologieentscheidungen bieten, sind unter Beschuss geraten.
„Beide Unternehmen haben Initiativen gestartet, um Kunden zu helfen herauszufinden, wo und wie sie generative KI und KI-Anwendungen nutzen und in ihre Prozesse integrieren können. Wichtiger noch ist, dass IT-Entscheidungen im Zeitalter von KI nicht einfacher werden“, merkt Casey an.
3. KI-Werkzeuge
Ohne die Unternehmen der Old Economy kann man keine New Economy aufbauen. Jeder weiß, dass der KI-Ausbau stark von Unternehmen wie Stromerzeugern und Kühlanlagenherstellern, Versorgern und Bergbaugesellschaften abhängt. Sie sind die sprichwörtlichen „Werkzeugmacher“ für die KI-Infrastruktur.
Die für die KI-Revolution verantwortlichen Hyperscaler wollen 650 Milliarden US-Dollar vor allem in den Ausbau von KI-Datenzentren investieren. „Das ist mehr als 2,5-mal so viel wie im Jahr 2025“, wirft Ezzes ein. Diese enormen Ausgaben könnten geschätzte 2% Anteil am BIP haben, erheblich mehr als andere wichtige Technologieprojekte in der Vergangenheit, wie das Manhattan Project oder die Mondmission der Apollo 1965. Diese Projekte haben Innovationen hervorgebracht, die ganze Branchen über Jahrzehnte hinweg veränderten und zur Gründung neuer Unternehmen führten.