Investmentgrade-Anleihen (mit Ratings von mindestens BBB/Baa) profitieren weiter von guten Unternehmensbilanzen und einer disziplinierten Finanzpolitik. Die Netto-Verschuldung ist recht stabil geblieben. Offenbar verfolgen die Unternehmen eine kluge Finanzstrategie, auch bei Fusionen und Übernahmen.
Ein interessanter Bereich sind Anleihen zur Finanzierung von KI und Datenzentren, wo große Emittenten mit guter Kapitalausstattung, stabilen Cashflows und hohen Kreditratings maßgeblich dazu beitragen, dass 2026 so viele Anleihen begeben werden könnten wie noch nie.
„Die meisten KI-Anleihen werden von Hyperscalern emittiert“, sagt McCann. „Die Spreads dieser neuen Papiere sind ausreichend weit, um Chancen zu bieten, und das bei einer sehr guten Kreditqualität.“ Auch Anleihen aus Sektoren wie Pharmazie, Versorger und Managed Care sind sehr interessant. Hier werden Dinge wie Produkteinführungen und Waldbrandschutz finanziert. Dies sowie die besseren Anleihenbedingungen könnten weitere Spreadverengungen auslösen.
Besonders überzeugen uns Verbriefungen, die nach wie vor günstiger bewertet sind als Unternehmensanleihen und mit guten Fundamentaldaten punkten. Unsere Begeisterung für MBS hat in den letzten Quartalen etwas nachgelassen. Ihre Bewertungen sind gestiegen, sodass wir andere Assetklassen für aussichtsreicher halten. Die, wenn auch sehr langsame, Erholung des Gewerbeimmobilienmarktes sorgt für Chancen bei CMBS, weil sich die Finanzierungsbedingungen verbessern. Dadurch finden mehr Verkäufe statt, was die Preisfindung erleichtert. ABS profitieren von stabilen strukturellen Schutzmechanismen, sodass Investoren vor den Folgen der Finanzschwäche mancher Privathaushalte gefeit sind.
Auch im High-Yield-Bereich scheinen die Fundamentaldaten vergleichsweise gut. Die zuletzt extrem niedrige Verschuldung ist nur leicht gestiegen, während die Barmittelbestände und Zinsdeckungsquoten weiterhin solide sind. Die Auswirkungen der Zölle waren handhabbar, und die höheren operativen Kosten wurden weitgehend an die Kunden weitergegeben. Die Spreads von High Yield mögen im Vergleich zu denen anderer Assetklassen etwas eng erscheinen, sodass in Branchen wie Medien und Gewerbeimmobilien die Einzelwertauswahl maßgeblich ist. Der Grund für die im Vergangenheitsvergleich engeren Spreads sind die bessere Kreditqualität und die kurze Duration von High Yield.
Private Credit leidet recht stark unter steigenden Ausfallquoten und KI-bedingten Störungen, aber die Schlagzeilen überdecken die Vielfalt der Kreditstrukturen und Risikoprofile. Eine sorgfältige Auswahl und ein Fokus auf Papiere mit höherem Rating könnte Investoren helfen, höhere risikobereinigte Erträge zu erzielen, obwohl sich der Markt insgesamt in einer späteren Phase befindet. Chancen bieten sich bei Direktkrediten an größere Unternehmen aus dem mittleren Größenspektrum, weil sie die vergleichsweise höheren Finanzierungskosten vermutlich besser auffangen können. Interessant sind auch assetbasierte Finanzierungen, bei denen Kredite durch Sachwerte wie Maschinen besichert sind, und deren Wiedereinbringungsquoten bei einer Konjunkturflaute höher sein können.
Bei Emerging-Market-Anleihen sorgen die stabilen Renditen zusammen mit guten Fundamentaldaten für attraktive Chancen. Einige Staatsanleihenemittenten bieten höhere Realrenditen und sind weniger verschuldet als viele Industrieländer, einschließlich der USA. Wir sind in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich stark positioniert. Teile Südamerikas erscheinen uns interessanter, während wir uns in Ländern, die sensibler auf die Energiepreise oder weltpolitische Risiken reagieren, eher zurückhalten. Für attraktiv halten wir auch Lokalwährungsanleihen, die sowohl die Aussicht auf hohe laufende Erträge als auch Schutz gegen eine Abwertung des US-Dollar bieten.