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Wie lange wird die Dollar-Rallye wohl dauern?
Jens Sondergaard
Währungsanalyst

Die rasche Verschlechterung des Ausblicks für die Weltwirtschaft – hervorgerufen durch einen enormen Inflationsanstieg, zunehmende Probleme in Europa und die wachsende Angst vor einer weltweiten Rezession – hat massive Auswirkungen auf die Währungsmärkte.


Der US-Dollar hat weiter aufgewertet und seine beeindruckende Rallye der ersten Jahreshälfte 2022 fortgesetzt. Sowohl der Euro als auch der japanischen Yen sind so schwach wie seit mehreren Jahrzehnten nicht mehr. Der Euro erreichte kürzlich sogar erstmals seit 2002 Parität mit dem US-Dollar (Währungskurs von 1:1).


Angesichts der rapiden Veränderung der Währungsmärkte gibt Jens Søndergaard, Währungsanalyst bei der Capital Group eine Einschätzung zum starken US-Dollar, dem schwachen Euro und zu einem japanischen Yen, der gerade seine Reputation als sicherer Hafen verliert.


Was hat die jüngsten Währungsentwicklungen ausgelöst?


Das Weltwirtschaftswachstum geht schneller zurück als erwartet und die Inflationsaussichten sind miserabel. Die Zentralbanken der Industrieländer und Emerging Markets erhöhen ihre Zinsen deutlich. Die Europäische Zentralbank (EZB) überraschte kürzlich die Märkte mit einer Anhebung um 50 Basispunkte. Die Währungen reagieren einfach nur auf die aktuelle Veränderung der gesamtwirtschaftlichen Fundamentaldaten.


US-Dollar stärker als die Währungen wichtiger US-Handelspartner

Stand 27. Juli 2022. Alle Daten umbasiert auf 100 (30. Dezember 2011 = 100) Quelle: Bloomberg

Wie lange kann der US-Dollar noch gegenüber anderen Währungen aufwerten?


Ich denke, der Dollar kann noch mindestens sechs Monate weiter steigen. Seine Rallye kommt nicht von ungefähr. Die Wirtschaft der USA ist stärker als die anderer großer Volkswirtschaften, und die US Federal Reserve (Fed) strafft ihre Geldpolitik sehr schnell, um die Folgen des Inflationsdruck abzufedern. In anderen Teilen der Welt sieht das ganz anders aus. Das Wachstum ist schwach, die Inflation hoch und meist energiepreisgetrieben, die Reallöhne gehen deutlich zurück, und die Zentralbanken sind zu aus meiner Sicht „schlechten“ gezwungen.


Diese gegensätzliche Entwicklung in den USA und im Rest der Welt ist die Ursache der Währungsveränderungen.


Ich gehe davon aus, dass die Märkte in den nächsten sechs Monaten sehr volatil sein werden, was vor allem auf die Rezessionsängste zurückzuführen ist. Der US-Dollar ist zwar gemessen an mehreren Kennzahlen überbewertet, aber ich sehe nichts, das eine baldige Abwertung auslösen könnte. In Rezessionen ist der US-Dollar der von den Investoren bevorzugte sichere Hafen. Deshalb dürfte der Greenback meiner Einschätzung nach so lange stark bleiben, bis es Hinweise auf eine Stabilisierung des Weltwirtschaftswachstums und Zeichen dafür geben wird, dass die Inflation weltweit ihren Höhepunkt erreicht hat.


US-Dollar bleibt überbewertet

Stand 26. April 2022. Hinweis: Die Abbildung zeigt, um wie viel Prozent der handelsgewichtete nominale US-Dollar-Kurs über oder unter dem handelsgewichteten nominalen fairen Wert liegt. Der handelsgewichtete nominale US-Dollar-Kurs und der faire Wert sind Kennzahlen, anhand derer man die Stärke der Währung eines Landes gegenüber anderen Währungen (gewichtet mit dem Handelsvolumen dieses Landes mit den anderen Ländern) misst. Quellen: Capital Group, JPMorgan

Wie schätzen Sie die Aussichten für den Euro und das britische Pfund ein?


Am meisten überzeugt bin ich davon, dass der Euro schwach bleibt. Der Euroraum braucht einen sehr niedrigen Wechselkurs, um die gesamtwirtschaftlichen Probleme wettzumachen, die durch den Russland-Ukraine-Konflikt entstanden sind. Aus meiner Sicht ist der Euro selbst bei Parität mit dem US-Dollar möglicherweise noch nicht billig genug.


Die jüngste Abwertung des Euro spiegelt die pessimistische Einschätzung der Aussichten für die Euroraum-Wirtschaft wider. Die Daten signalisieren allmählich eine Lebenshaltungskostenkrise: Das Verbrauchervertrauen geht zurück und der europäische Fertigungssektor, der sehr wichtig für das Wachstum ist, lässt nach. Hinzu kommt, dass die Erholung nach COVID-19 hier nicht so ausgeprägt war wie in den USA.


Die Euroraum-Inflation ist im Juni auf ein Rekordniveau von 8,6% gestiegen. Außerdem besteht die Gefahr, dass Europa von Russland nicht ausreichend Erdgas für die kommende Heizperiode bekommt. Dann könnte es zu weitreichenden Rationierungen kommen, durch die weite Teile des europäischen Fertigungssektors zum Erliegen kommen. Deutschland und Italien wären hiervon am stärksten betroffen.


Auch für das Pfund bin ich pessimistisch. Der Euro und das britische Pfund entwickeln sich in der Regel gleich. Auch in Großbritannien steigen die Lebenshaltungskosten. Hinzu kommt politische Unsicherheit nachdem Premierminister Boris Johnson kürzlich zurückgetreten ist.


 


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Jens Søndergaard ist Währungsanalyst bei der Capital Group. Er hat 15 Jahre Investmenterfahrung und ist seit acht Jahren in unserem Unternehmen. Er hat einen PhD in Volkswirtschaft und einen Master in Internationalen Beziehungen von der Georgetown University. Søndergaard arbeitet in London.


 

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