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Ausblick Aktienmarktausblick: 3 Themen für die zweite Jahreshälfte 2026

Wenn Sie sich an den Schlagzeilen orientieren, finden Sie jeden Tag beliebig viele Gründe, pessimistisch für Aktien zu sein.

 

Gerechtfertigt sind die Zweifel aber nicht. Bislang haben die Aktienmärkte in diesem Jahr immer neue Höchststände erreicht – trotz der Kriege im Nahen Osten und der Ukraine, schwankender Ölpreise und höherer Inflation. Was macht Aktien so erfolgreich? Im Grunde genommen liegt es ausschließlich am rasanten Anstieg der Unternehmensgewinne.

 

Diese gute Nachricht ist vor allem dem Siegeszug der Künstlichen Intelligenz zu verdanken. Enorme Investitionen von Technologieunternehmen haben Umsätze und Gewinne von Firmen aus allen Sektoren steigen lassen. Aber das KI-Wachstum ist beileibe nicht alles. Die Banken profitieren von den gestiegenen Zinsen, der Gesundheitssektor von innovativen Therapien und die Energieunternehmen von höheren Rohölpreisen. Für die Zukunft lauten die Konsensschätzungen auf anhaltendes Unternehmensgewinnwachstum, vor allem in den Emerging Markets, wo man mit einem Plus von 49,2% bis Ende 2026 rechnet.

Stabiles Gewinnwachstum ist nicht nur ein US-Phänomen

Einige Säulen zeigen das Gewinnwachstum im Jahr 2025 und die Wachstumserwartungen für 2026 in den USA, Europa, Japan, den Emerging Markets und China. Die Schätzungen für das laufende Jahr reichen von 49,2% für die Emerging Markets bis zu 5,2% für China.

Quellen: Capital Group, FactSet, MSCI, S&P Global. Geschätztes Wachstum der Unternehmensgewinne berechnet als Mittelwert der Konsensschätzungen der Gewinne je Aktie der in den folgenden Indizes enthaltenen Unternehmen für das Gesamtjahr 2026: S&P 500 Index (USA), MSCI Europe Index (Europa), MSCI Japan Index (Japan), MSCI EM Index (Emerging Markets) und MSCI China Index (China). Gewinnwachstum in US-Dollar. Schätzungen Stand 31. Mai 2026.

„Aus meiner Sicht bestimmen künftig die hohen Unternehmensgewinne den Markt“, sagt Aktienportfoliomanager Rob Lovelace. „In den letzten drei Jahren sind sie gestiegen, und es sieht nicht so aus, als würde sich das ändern.“

 

Bis zum Ende des Jahres und darüber hinaus konzentrieren wir uns auf die drei folgenden Aktienmarktthemen.

 

1. Der Siegeszug von KI scheint sich ungebremst fortzusetzen

 

Im Rennen um die KI-Vorherrschaft planen fünf Hyperscaler (Amazon, Alphabet, Meta, Microsoft und Oracle) in diesem Jahr 650 Milliarden US-Dollar in Datenzentren zu investieren, so viel wie noch nie, und es scheint kein Ende in Sicht. „Diese Investitionen kommen von einigen der rentabelsten Unternehmen aller Zeiten“, sagt Aktienportfoliomanager Mark Casey. „Solange die Technologie Fortschritte macht, werden sie aus meiner Sicht weiter investieren.“

 

Tatsächlich könnten sich die Gesamtinvestitionen in KI-Infrastruktur und andere Bereiche mit KI-Bezug in den nächsten zehn Jahren auf 30 Billionen US-Dollar belaufen und damit Chinas Industrieboom der frühen 2000er-Jahre in den Schatten stellen, der von vielen als der größte der modernen Geschichte betrachtet wird. Er hat den Welthandel, die Arbeitsmärkte und die Politik grundsätzlich verändert. KI könnte also erheblich mehr sein als die Blüte eines einzelnen Sektors.

 

„In der ersten Jahreshälfte 2026 schien der Konflikt im Iran einen Schatten über die Märkte zu werfen“, so Casey. „Aber ich denke, im KI-Sektor scheint nach wie vor die Sonne. KI ist vermutlich die Technologie mit der größten Wirkung seit einer Generation und der wichtigste Faktor für die Wirtschaft.“

 

Alle diese Investitionen haben zu einer enorm hohen Nachfrage nach den Aktien von Herstellern fortschrittlicher Halbleiter wie NVIDIA und Broadcom, Halbleiterproduzenten wie der Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC) und Netzwerkanbietern wie Cisco Systems geführt.

 

Angesichts der schnellen Technologiefortschritte und weil sich der Ausbau vermutlich über Jahre hinziehen wird, könnte sich der Schwerpunkt der Nachfrage immer wieder auf andere Hardwareanbieter verlagern. „Deshalb ist eine sorgfältige Auswahl so wichtig“, fügt Casey hinzu.

 

2. Nicht nur in den USA gibt es „Magnificents“

 

Glauben Sie, die KI-Story findet nur in den USA statt? Denken Sie noch einmal nach.

 

So wie die Magnificent 7 die US-Märkte angeführt haben, gibt es auch in den Emerging Markets sieben Unternehmen, die maßgeblich für die KI-Revolution sind und ihre Märkte dominieren. TSMC, Samsung Electronics und SK Hynix sind bekannte Namen, aber auch weniger bekannte wie MediaTek und Delta Electronics sind Marktführer. Nummer 6 und 7 sind Tencent und Alibaba, die in China aktiv sind und damit Zugang zu einem der größten Märkte der Welt haben. 

Wie in den USA stehen auch in den Emerging Markets sieben Unternehmen an der Spitze

Eine Grafik stellt die Marktkapitalisierungen und erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) der amerikanischen Magnificent 7 (Microsoft, Apple, Alphabet, Amazon, NVIDIA, Meta und Tesla) den sieben größten Unternehmen der Emerging Markets gegenüber (Taiwan Semiconductor, Samsung Electronics, SK Hynix, Tencent, Alibaba, MediaTek und Delta Electronics). Die Unternehmen in den Emerging Markets sind durchweg kleiner und niedriger bewertet als ihre US-Pendants.

Quellen: Capital Group, MSCI, RIMES, FactSet. „Emergent 7“ bezeichnet die sieben größten Unternehmen des MSCI Emerging Markets Index: Taiwan Semiconductor Manufacturing, Samsung Electronics, SK Hynix, Tencent, Alibaba, MediaTek und Delta Electronics. Das erwartete KGV von Tesla beträgt 193 und liegt außerhalb der Skala der Grafik, daher wird Tesla nicht gezeigt. Stand 31. Mai 2026. 

Diese sieben Technologie- und Plattformunternehmen sind gemessen an der Marktkapitalisierung die größten Komponenten des MSCI Emerging Markets Index. Zusammen haben sie 33% Anteil. Wir bei Capital Group nennen sie deshalb die „Emergent 7“. Sie haben in der Regel eine niedrigere Marktkapitalisierung und sind niedriger bewertet als viele ihrer US-Pendants – und lassen ein stärkeres Gewinnwachstum erwarten.

 

Investoren, die sich ausschließlich auf US-Aktien konzentrieren, könnten diese Chancen zumindest zum Teil verpassen. „Heute finden sich viele Unternehmen, die in ihrer Branche Weltmarktführer sind, außerhalb der Vereinigten Staaten“, meint Aktienportfoliomanager Steve Watson.

 

Aber die starke Rallye, die seit 2025 aufgrund der attraktiven Bewertungen, des schwachen Dollar und der hohen Unternehmensgewinne in den Emerging Markets wie auch in den Industrieländern außerhalb der USA begonnen hat, setzt sich fort. Auch wenn US-Aktien aufgeholt haben, sieht Watson weiterhin Chancen in anderen Ländern und nennt Branchenführer wie Airbus, ASML, AstraZeneca und Safran als Beispiele für Unternehmen, die ihren Sitz außerhalb der USA haben.

 

3. Die Realwirtschaft macht sich bereit

 

KI mag der wichtigste Faktor an den Aktienmärkten sein – schließlich ist die Marktkapitalisierung von NVIDIA allein höher als die von drei Sektoren des S&P 500 Index –, aber die Realwirtschaft zu ignorieren könnte ein Fehler sein.

NVIDIA ist größer als drei Sektoren des S&P 500 Index

Ein Säulendiagramm vergleicht den Anteil der Marktkapitalisierung von NVIDIA mit dem der gesamten Marktkapitalisierung der S&P-500-Sektoren Energie, Versorger und Grundstoffe. NVIDIA hat 5,1% Anteil am Index, während die anderen drei zusammen auf nur 4,6% kommen.

Quellen: Capital Group, S&P Global, FactSet, RIMES. Stand 31. Mai 2026. Die gezeigten Unternehmen sind die drei größten in ihrer jeweiligen Branche.

Grundsätzlich gilt, dass KI nicht ohne Realwirtschaft funktioniert. Die Nachfrage nach Stahl, Kupfer, Hochbauleistungen und Anlagen zur Stromerzeugung steigt im Zuge des Ausbaus von Datenzentren rasant. Beispielsweise ist der Umsatz der Bausparte von Caterpillar im 1. Quartal um enorme 38% gestiegen. Zudem berichtete das Unternehmen, dass ihm Aufträge für Stromerzeugungsausrüstung im Wert von 62,7 Milliarden US-Dollar vorlägen.

 

„Anbieter von Basisprodukten und -leistungen für die Halbleiterlieferkette sowie Infrastrukturentwickler bieten aus unserer Sicht besonders eindeutige Chancen“, sagt Aktienportfoliomanager Chris Buchbinder.

 

Andere sind interessant, weil KI ihnen wenig anhaben kann. „Ein Beispiel ist Royal Caribbean. Ich kann mir nicht vorstellen, dass KI Kreuzfahrtschiffe ersetzen kann“, erklärt Buchbinder. Ein anderes Beispiel ist der Flugzeugmotorenhersteller GE Aerospace, der Anfang des Jahres Aufträge für 190 Milliarden US-Dollar in seinen Büchern hatte, weil die Nachfrage nach Reisen und die Verteidigungsausgaben weltweit steigen.

 

Auch Investoren, die steigende Risiken fürchten, könnten in einige Unternehmen aus der Realwirtschaft anlegen wollen, die Dividenden zahlen und damit auch laufende Erträge bieten können. So erwirtschaften viele Arzneimittelhersteller recht hohe freie Cashflows, die es ihnen ermöglichen, über Dividenden Kapital an die Aktionäre zurückzugeben und zugleich ihre Pipelines mit gezielten Übernahmen zu stärken. Der Pharmakonzern AstraZeneca hat eine Reihe etablierter Onkologie-Produktlinien. Um weiter zu wachsen, hat er in die Entwicklung von Medikamenten gegen Herzkrankheiten, chronische Nierenerkrankungen und Stoffwechselstörungen investiert.

 

Fazit für Anleger

 

Natürlich gibt es jetzt, zu Beginn der zweiten Jahreshälfte, Risiken für Investoren. Nicht zuletzt sind das die steigenden Energiepreise, die hohe Inflation und die hohen Bewertungen in bestimmten Sektoren. Aber jedes Jahr hat seinen einzigartigen Mix aus Chancen und Risiken. Die Marktvolatilität direkt nach dem Beginn des Irankrieges Ende Februar hat uns einmal mehr daran erinnert, wie wichtig eine gute Diversifikation und Ausgewogenheit für jedes Portfolio und in allen Marktsituationen ist. 

Chris Buchbinder ist Aktienportfoliomanager und hat 30 Jahre Investmenterfahrung (Stand 31. Dezember 2025). Er hat einen Bachelor-Abschluss in Volkswirtschaft und Internationale Beziehungen von der Brown University.

Mark Casey ist Aktienportfoliomanager und hat 26 Jahre Investmenterfahrung (Stand 31. Dezember 2025). Er hat einen MBA von der Harvard Business School und einen Bachelor von der Yale University. 

Rob Lovelace ist Aktienportfoliomanager und Chairman von Capital International, Inc. Er hat 40 Jahre Investmenterfahrung (Stand 31. Dezember 2025). Er hat einen Bachelor in Mineralökonomie von der Princeton University und ist CFA®.

Steve Watson ist Aktienportfoliomanager und hat 38 Jahre Investmenterfahrung (Stand 31. Dezember 2025). Er hat einen MBA und einen MA in French Studies von der New York University sowie einen Bachelor von der University of Massachusetts.

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Capital Group managt Aktien in drei Investmenteinheiten, die ihre Anlageentscheidungen autonom treffen und unabhängig voneinander auf Hauptversammlungen abstimmen. Die Anleihenexperten sind für das Anleihenresearch und das Anleihenmanagement im gesamten Unternehmen verantwortlich. Bei aktienähnlichen Anleihen werden sie aber ausschließlich für eine der drei Aktieneinheiten tätig.