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Global Affairs Der Nahost-Krieg ist nicht alles: Volatilität als Chance

In diesem Jahr müssen Investoren viele schlechte Nachrichten verkraften. Angesichts der Kriege im Nahen Osten und in der Ukraine, unschöner Handelsstreitigkeiten in den wichtigsten Wirtschaftsräumen der Welt, wachsender Bedenken wegen der Folgen Künstlicher Intelligenz und einer tiefen politischen Spaltung in den USA und anderen Ländern lassen sich Emotionen bei Investmententscheidungen oft nicht so leicht ausblenden.

 

Der Krieg im Iran ist das aktuellste Beispiel. Jeden Tag erscheinen neue schlechte Nachrichten über eine brüchige Waffenruhe, höhere Ölpreise und die Gefahr neuer Militäraktionen. Zurzeit ist die Welt schrecklich. Sie ist oft schrecklich. Aber in Zeiten wie diesen versuche ich mich immer daran zu erinnern, dass Schwierigkeiten auch attraktive Investmentchancen hervorbringen können – für geduldige, langfristig orientierte Investoren.

 

Ich arbeite jetzt schon fast 40 Jahre in der Finanzbranche und habe einmal gezählt, wie viele Marktkrisen ich in dieser Zeit erlebt habe. Es sind etwa 25. In meiner Laufbahn gab es also im Durchschnitt alle 18 Monate ein bedeutendes Marktereignis. Ich sage nicht, dass man sich über schlechte Zeiten freuen soll. Aber man sollte bedenken, wofür sie stehen. Sie können Chancen mit sich bringen, weil die Kurse fallen, sodass sich Kaufgelegenheiten bieten. Und vor allem sollte man nie vergessen, dass es irgendwann auch wieder besser wird.

Globale Aktien haben Jahrzehnte mit Konflikten und Krisen gemeistert

Die Ergebnisse der Vergangenheit sind kein Hinweis auf künftige Ergebnisse.

Quellen: Capital Group, MSCI. Monatsdaten, umbasiert (31. Dezember 2000 = 100), auf Grundlage des kumulierten Gesamtertrags des MSCI All Country World Index, in US-Dollar. Zahlen vom 31. Januar 2001 bis zum 31. März 2026. 

Angesichts all der Katastrophen weltweit mag es überraschen, aber ich bin vorsichtig optimistisch für globale Aktien. Es gibt viele schlechte Nachrichten. Die Aktienkurse sind sehr volatil. Deshalb bin ich heute vorsichtiger als vor einem Jahr. Aber wenn der Irankonflikt bald zu Ende ist, dürften die Ölpreise wieder nachgeben. Dann würden auch die Zinsen wieder fallen. Das wäre aus meiner Sicht gut für das Weltwirtschaftswachstum und für die Aktienerträge. Natürlich hofft jeder auf ein schnelles Ende des Krieges. Ich auch. Aber ich hoffe das nicht nur. Ich erwarte es.

 

Andere tun dies auch, und das zeigt sich an den US-Aktienmärkten. Obgleich die Ölpreise seit dem Beginn des Irankrieges stark gestiegen sind, hat der S&P 500 Index neue Höchststände erreicht. Die Dinge könnten sich ändern, aber zurzeit spiegelt der Aktienmarkt ein schnelles Ende der Feindseligkeiten wider. Die Öl-Terminkontrakte signalisieren dasselbe: Bis Ende des Jahres könnte der Ölpreis auf bis zu 73 US-Dollar je Barrel sinken, was etwa dem Niveau vor dem Angriff der USA und Israels auf den Iran am 28. Februar entspräche.

Trotz höherer Ölpreise sind US-Aktien auf Rekordhochs gestiegen

Ein Liniendiagramm zeigt den S&P 500 (Kursindex) und die Spotpreise von WTI-Rohöl von Januar bis März 2026. Als die Ölpreise wegen des Krieges mit dem Iran im Februar stark zulegten, ist der S&P 500 gefallen, und als die Ölpreise im März vor dem Hintergrund von Friedensgesprächen zurückgingen, erholte er sich wieder.

Quellen: Capital Group, LSEG Refinitiv, S&P Global. Ölpreise gemessen am Spotpreis der Sorte West Texas Intermediate (WTI). Stand 16. April 2026.

Investieren nach dem Krieg

 

Während wir besorgt auf das Ergebnis der Friedensgespräche warten, werfe ich einen Blick auf künftige Investmentchancen, die danach entstehen könnten. Aus meiner Sicht waren Nicht-US- und Emerging-Market-Aktien sehr attraktiv, bevor der Irankrieg die Rallye unterbrach, und das sind sie noch immer. Das liegt vor allem am Bewertungsvorteil.

 

Selbst nach der starken Rallye von Nicht-US-Aktien im letzten Jahr werden diese Titel noch immer mit einem deutlichen Bewertungsabschlag – gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis – gegenüber dem S&P 500 gehandelt. Die Bewertungen von Emerging-Market-Aktien sind um etwa 40% niedriger. Deshalb lassen sich außerhalb der USA zurzeit echte Schnäppchen machen. Häufig sind das Aktien globaler Branchenführer. Zu ihnen zählen der britische Pharmariese AstraZeneca, das chinesische Tencent (der weltweit größte Gaminganbieter) und die Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (der größte Chiphersteller der Welt).

 

Am Anfang meiner beruflichen Laufbahn wechselten sich US-Aktien und Nicht-US-Aktien an der Spitze häufiger ab. Es war wie ein Pingpong-Spiel. Ich halte es für gut möglich, dass wir wieder so ein Investmentumfeld bekommen, in dem US-Aktien eine Zeit lang an der Spitze stehen, aber immer wieder auch Aktien aus anderen Ländern die Führung übernehmen.

 

Der Energiesektor im Aufwind

 

Auch für den Energiesektor bin ich zuversichtlich. Er war viele Jahre lang aus der Mode. Sicher profitieren Ölunternehmen wie Exxon, Royal Dutch Shell und TotalEnergies von den höheren Ölpreisen während des Irankonflikts, aber ich halte den Sektor auch langfristig für interessant.

 

Ungeachtet kurzfristiger Ölpreisschwankungen hat die Branche in den letzten Jahren ihren Schwerpunkt verlagert. Die Entdeckung neuer Ölfelder ist nicht mehr das Wichtigste. Stattdessen achtet man auf solide Bilanzen, investiert strategisch und schüttet Dividenden aus. Ich werde meine Ölaktien wohl nach diesem Konflikt nicht sofort verkaufen. Sie haben Eigenschaften, von denen langfristige Investoren profitieren können – nicht zuletzt zahlen die Unternehmen der Branche großzügige Dividenden.

 

Außerdem durchforste ich zurzeit das Trümmerfeld der KI-Branche nach Unternehmen, die möglicherweise zu Unrecht unter der Befürchtung gelitten haben, dass benutzerfreundliche KI-Anwendungen ihr Geschäft beeinträchtigen könnten. Dazu zählen große Softwareanbieter wie SAP aus Deutschland und Unternehmen aus dem Online-Reisesektor wie Trip.com aus China und die Amadeus IT Group aus Spanien. Aus meiner Sicht sind sie KI-Ermöglicher und keineswegs „KI-Opfer“.

 

Volatilität lohnt sich

 

Alle bislang von mir genannten Investmentthemen hatten volatile Phasen und wurden aus dem einen oder anderen Grund von den Anlegern gemieden. Das ist nun einmal so, vor allem, wenn man wie ich zu den Investoren gehört, die auf Bewertungen achten und denen es nichts ausmacht abzuwarten, bis eine Anlage irgendwann wieder für den Markt attraktiv wird. Probleme und Unsicherheit sind ein guter Boden für solche Chancen.

 

Und Unsicherheiten lauern überall. Vielleicht erinnern wir uns an eine Zeit mit wenig Volatilität und viel Sicherheit, aber ich denke, damit liegen wir falsch. Vermutlich war alles tatsächlich ganz anders.

Steve Watson ist Aktienportfoliomanager und hat 38 Jahre Investmenterfahrung (Stand 31. Dezember 2025). Er hat einen MBA und einen MA in Romanistik von der New York University sowie einen Bachelor von der University of Massachusetts.

Die Ergebnisse der Vergangenheit sind kein Hinweis auf künftige Ergebnisse. Man kann nicht direkt in einen Index investieren. Indizes sind keine gemanagten Produkte. Der Wert und Ertrag von Anlagen können schwanken, sodass Anleger ihr investiertes Kapital ganz oder teilweise verlieren können. Diese Informationen sind weder Anlage-, Steuer- oder sonstige Beratung noch eine Aufforderung, irgendein Wertpapier zu kaufen oder zu verkaufen.
 
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Capital Group managt Aktien in drei Investmenteinheiten, die ihre Anlageentscheidungen autonom treffen und unabhängig voneinander auf Hauptversammlungen abstimmen. Die Anleihenexperten sind für das Anleihenresearch und das Anleihenmanagement im gesamten Unternehmen verantwortlich. Bei aktienähnlichen Anleihen werden sie aber ausschließlich für eine der drei Aktieneinheiten tätig.