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Marktvolatilität
Der Ausverkauf der europäischen Banken lässt sich nur schwer mit den Fundamentaldaten vereinbaren
Anita Patel
Investment Director

Fund holdings in Credit Suisse, Signature Bank and SVB Financial Group

As of 2/28/2023

Zwar beschränken sich die direkten Auswirkungen der Zusammenbrüche der Silicon Valley Bank und der Signature Bank auf die USA, aber die Märkte bemühen sich jetzt, mögliche Folgen für den Rest der Welt einzuschätzen.


Wie erwartet geht es dabei vor allem um ein mögliches Übergreifen auf den gesamten Bankensektor, besonders, weil die Menschen Angst um die Sicherheit ihrer Bankeinlagen haben. Auf den ersten Blick scheint das Problem unternehmensspezifisch zu sein, weil sowohl SVB als auch Signature spezielle Geschäftsmodelle haben, aber die Erfahrung zeigt, dass sich Bank Runs schnell ausbreiten können. Unterdessen muss man auch über die möglichen Folgen dieser Ereignisse für die Zentralbankpolitik und das Wirtschaftswachstum nachdenken.


In diesem Artikel analysiert Investment Director Anita Patel die möglichen Auswirkungen auf europäische Banken: Die Fundamentaldaten des Sektors scheinen solide zu sein, aber dennoch sind Folgeeffekte möglich.


Dazu ein wenig Hintergrundinformationen: Die Aktien europäischer Banken sind in den sechs Monaten bis Ende der letzten Woche um 32% gestiegen. Das machte sie zu einem der erfolgreichsten Sektoren des MSCI Europe Index. Zum Vergleich: US-Banken sind um 7% gefallen (alle Angaben in US-Dollar).


Europäische Banken hatten eine sehr gute Berichtssaison. Ihre Rentabilität war nahezu so hoch wie seit 15 Jahren nicht mehr, und ihre Bewertungen sind nach wie vor attraktiv. Die letzten Unternehmensberichte enthielten keine Hinweise auf eine Verschlechterung der Assetqualität oder ein niedriges Einlagen-Beta (Anfälligkeit der Einlagenzinsen für Veränderungen der Kurzfristzinsen). Aber die Banken stellten höhere Kosten in Aussicht und entwickeln sich außerdem sehr unterschiedlich. Jene, die ihre Kosten unter Kontrolle halten, können letztlich am meisten von höheren Zinsen profitieren. Unterdessen steigt die Kreditvergabe weiter, wenn auch nicht mehr so stark, und die meisten Banken erwarten für das Gesamtjahr 2023 ein – allerdings niedriges – Wachstum. 


Der Zusammenbruch der SVB hat diese Woche zu einem starken Ausverkauf europäischer Banken geführt, wobei der Handel einiger Aktien, beispielsweise der der Crédit Suisse, der Société Générale sowie der Monte dei Paschi und der UniCredit aus Italien zeitweise ausgesetzt wurde, bevor die Papiere in Reaktion auf die Probleme der Crédit Suisse weiter fielen. Die Crédit Suisse sagte, sie habe „Schwächen“ in der Finanzberichterstattung entdeckt, und die Märkte reagierten empfindlich auf die Bestätigung eines großen Anteilseigners (Saudi National Bank), dass er kein weiteres Kapital in das Schweizer Kreditinstitut investieren würde. Die Situation ist noch unklar, aber zurzeit hat die Crédit Suisse angekündigt, dass sie von der Schweizer Zentralbank bis zu 54 Milliarden US-Dollar leihen will, um ihre Finanzen zu stützen, und versucht, weniger komplex und konzentrierter zu werden.


Weil das Problem der SVB unternehmensspezifisch ist, dürften europäische Banken nicht in eine Vertrauenskrise geraten wie die US-Regionalbanken. Wir sind noch immer davon überzeugt, dass der Ausverkauf wenig mit den Fundamentaldaten zu tun hat, aber unsere Analysten und Portfoliomanager behalten die Entwicklung im Auge und erörtern die Situation.


Die strengen Regulierungen im europäischen Bankensektor sind nicht zu unterschätzen. In Europa müssen Banken höhere Liquiditätsanforderungen erfüllen und haben höhere Liquiditätsdeckungsquoten (LCR) als US-Banken. Während der italienischen Staatsschuldenkrise gerieten die Kapitalquoten vieler europäischer Banken in Bedrängnis, und seitdem achtet die Europäische Zentralbank sehr genau auf ihre Staatsanleihenportfolios und die Risiken, die diese auslösen können. Nach Basel III werden die Gewinn- und& Verlustrechnung und das Eigenkapital von Banken Stresstests unterzogen. Dabei wird deren Anfälligkeit für schnelle Zins-, Zinsstrukturkurven- und Spreadanstiege geprüft – eine Lehre aus der Vergangenheit.


Zweifellos hatte der Zusammenbruch der SVB Folgen, aber vermutlich wird Europa gut wegkommen, weil die hiesigen Banken stärker reguliert sind, eine bessere Kapitalausstattung haben und das System strengere Liquiditätsstresstests vorsieht als in den USA. Wir wissen aber auch, dass der Sektor durchaus anfällig ist für eine Ausweitung der Staatsanleihenspreads einiger Peripherieländer. Auch das Fehlen einer EU-Bankenunion ist ein Manko.


Die Portfolios von Capital Group sind durchweg in europäischen Banken untergewichtet, und das bereits seit zehn Jahren. Bankaktien haben seit der internationalen Finanzkrise fast immer sowohl absolut als auch relativ schwach abgeschnitten, weil sie stark unter politischen Turbulenzen (Staatsschuldenkrise, Brexit), strengeren Regulierungen und niedrigeren Zinserwartungen gelitten haben. Aber nach zehn „dunklen“ Jahren sind die Zinsen jetzt wieder positiv, und die Rentabilität der Banken dürfte grundsätzlich höher bleiben als in den letzten zehn Jahren.


„Längere Zeit höhere“ Zinsen signalisieren einen Paradigmenwechsel für den europäischen Bankensektor, und nach den Konsenserwartungen sind etwaige Risiken eines Abschwungs bereits in den Aktienkursen enthalten. Auch Solvenz und Liquidität haben sich deutlich verbessert, viele Bilanzen sind bereinigt, und Kapitalquoten sowie Rentabilität sind so hoch wie seit Jahren nicht mehr. Kreditverluste werden in einem Abschwung schmerzen, aber die Folgen werden durch höhere Rücklagen und bereinigte Bilanzen abgefedert.


Sobald die Konjunkturschwäche vorbei ist, dürften Banken von höheren Zinsen als während der Negativzinsphase profitieren. Unterdessen ist auch seitens der Aufsichtsbehörden wenig Gegenwind zu erwarten, und die EZB ist mittlerweile offen für Aktienrückkäufe.


Wir sind für europäische Banken zuversichtlich, aber es kommt auf die Einzelwertauswahl an: Wir halten Institute mit einer guten Kapitalausstattung, hoher Assetqualität und stabilen Geschäftsleitungen, die langfristig finanziert sind, für attraktiv. 



Anita Patel is an investment specialist at Capital Group. She has 13 years of industry experience and has been with Capital Group for 12 years. Earlier in her career at Capital, Anita worked as an investment product specialist manager. Prior to joining Capital, she was a client data & portfolio data specialist at Schroders. She holds a master's degree in financial mathematics from King's College London and a bachelor's degree in business administration and mathematics from Aston University. She also holds the Investment Management Certificate. Anita is based in London.


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