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Elektrofahrzeuge: Laden für eine nachhaltige Welt
Julie Dickson
Investmentdirektorin
IM ÜBERBLICK
  • Bald werden Elektrofahrzeuge rentabel. Die Batteriekosten gehen zurück, und Innovationen dürften die zurzeit höheren Rohstoffpreise ausgleichen.
  • Aber nach wie vor bestehen Herausforderungen. Die derzeitige Chipknappheit könnte ein Vorbote künftiger Engpässe bei neuen Lieferketten sein. Außerdem sind strategische Investitionen nötig, damit ein Netz aus Ladestationen entstehen kann.
  • Traditionelle Unternehmen fahren allmählich ihre Kapazitäten für den Bau von Elektrofahrzeugen hoch. Aber bis sie mit etablierten Anbietern wie Tesla konkurrieren können, haben sie noch einen langen Weg vor sich.

Warum ist der Elektrofahrzeugabsatz zuletzt gestiegen?


Zhang: Der wichtigste Grund für die hohe Nachfrage waren neue Vorschriften und Anreize in Europa und China. So traten in Europa 2020 strenge Emissionsvorgaben in Kraft, die Automobilherstellern den Anreiz boten, ihre Elektrofahrzeugproduktion hochzufahren und mehr davon zu verkaufen. Außerdem haben viele europäische Regierungen im Rahmen ihrer Programme zur Förderung der Wirtschaft während der Pandemie Elektrofahrzeuge stärker subventioniert. In den letzten zwei Jahren hat sich die Verbreitung von Elektrofahrzeugen mehr als vervierfacht – von 4% auf 20% im Jahr 2021. In China hat sie sich von 5% auf 15% verdreifacht. In den USA ist es noch nicht so weit. Hier liegt die Verbreitung bei etwa 5%, aber auch hier stehen neue Regulierungen bevor. Bis 2030 dürfte die Verbreitung von Elektrofahrzeugen in Europa und China auf etwa 60% bis 70% steigen, in den USA auf etwa 50%.1


Verbreitung von Elektrofahrzeugen nach Ländern
Anmeldungen und Marktanteil von Elektrofahrzeugen weltweit

Chart showing Global electric vehicle registration and market share

Quelle: IEA, Global EV Outlook 2021

Jacobs: In Europa wurden vor allem Fahrzeuge aus dem Premiumsegment verkauft. Früh umgestiegen sind meist jene, die sich die höheren Anfangskosten von Elektroautos leisten können und häufig einen Zweitwagen haben. Aber weil die Preise fallen, sich die Infrastruktur verbessert und es mehr Auswahl gibt, vergrößert sich die Käuferbasis, insbesondere in beliebten Segmenten wie SUVs. Um Elektrofahrzeuge massentauglich zu machen, muss die Automobilindustrie ein Auto bauen, dass nicht nur genauso günstig ist wie ein Wagen mit Verbrennungsmotor. Es muss auch genauso bequem zu unterhalten und zu fahren sein. Die Industrie ist auf dem richtigen Weg, aber noch nicht ganz angekommen.


Werden Elektrofahrzeuge bald genauso günstig sein wie traditionelle Autos?


Zhang: Noch nicht, und das liegt an den Batteriekosten. Batterien sind in den letzten zehn Jahren zwar erheblich billiger geworden, aber zuletzt haben die steigenden Rohstoffpreise diese Entwicklung verlangsamt. Dennoch könnte es bis 2025 ein Elektrofahrzeug der Kompaktklasse geben, das ähnlich viel beziehungsweise wenig kostet wie ein vergleichbares Auto mit Verbrennungsmotor. Mini-Elektrofahrzeuge mit kleinen Batterien sind heute schon recht günstig zu haben. Beispielsweise ist der Bestseller in China der Wuling Hongguang Mini EV, von dem 2021 2021 etwa 400.000 Stück verkauft wurden.2 Seine Batterien haben nur 10 Kilowattstunden (kWh) Leistung, während das Model 3 von Tesla etwa 60 kWh mitbringt, aber die Gesamtkosten der Batterie belaufen sich nur auf circa 1.500 US-Dollar. Deshalb kann das Auto für nur 5.000 US-Dollar (plus Subventionen) angeboten werden, also günstiger als ein vergleichbares Fahrzeug mit Verbrennungsmotor.


Phanaphat: Durch die steigenden Rohstoffpreise hat sich der Rückgang der Batteriekosten verlangsamt. Lithium, Kobalt und Nickel sind sehr teuer geworden. Aber Innovationen könnten diese steigenden Kosten ausgleichen. China produziert nicht mehr nur NCM-Batterien (Nickel-Kobalt-Mangan), sondern auch wieder die günstigeren LFP-Batterien (Lithium-Eisenphosphat). Sie machen mittlerweile mehr als die Hälfte des Marktes aus. LFP-Batterien haben eine geringere Reichweite, werden aber wegen ihrer niedrigeren Kosten für Einsteigermodelle genutzt.


Fallende Batteriekosten machen Elektrofahrzeuge erschwinglicher
Kosten von LFP-Batterien (US-Dollar je Kilowattstunde)

Chart showing Lithium-ion battery pack costs across different year

Die Prognosen dienen nur zur Illustration.
Sources: Bloomberg New Energy Finance, Statista. Die Angaben zu den Jahren 2023 und 2030 sind Prognosen, Stand 31. Dezember 2020.

1 Quelle: IEA, Global EV Outlook 2021


2 Stand Januar 2022. Quelle: Inside EVs


 


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Julie Dickson ist Investmentdirektorin bei der Capital Group. Sie hat 27 Jahre Branchenerfahrung und ist seit fünf Jahren in unserem Unternehmen. Bevor sie zu Capital kam, leitete sie das Client Portfolio Management bei der Ashmore Group und davor bei Aviva Investors. Außerdem hatte sie unterschiedliche Positionen bei AXA Rosenberg, Mellon Global Investments, Barclays Global Investors und Merrill Lynch inne. Sie hat einen Bachelor in Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Finanzen von der Cornell University. Außerdem hat sie das Investment ManagementCertificate und ist Chartered Financial Analyst® (CFA). Dickson arbeitet in London.


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