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Investmentperspektiven der Capital Group

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Emerging Markets
Der Ausblick für Schuldtitel aus Schwellenmärkten: Was wird 2021 bringen?
Rob Neithart
Portfoliomanager für Anleihen
Kirstie Spence
Portfolio-Manager für Anleihen
Harry Phinney
Investment Director für Anleihen

Der Verlauf der COVID-19-Pandemie und das globale makroökonomische Umfeld sind wie im Jahr 2020 auch 2021 wahrscheinlich die Haupttreiber der Renditen von Anleihen aus Emerging Markets. Anhaltende geld- und finanzpolitische Anreizmaßnahmen, eine Erholung in Industrieländern und eine weniger aggressive Geopolitik haben das Potenzial, einen positiven Zyklus für Emerging-Markets-Anleihen zu schaffen. Indessen stellen wachsende Staatsschulden, die an den internationalen Kapitalmärkten finanziert werden, Risiken dar, ebenso wie die bevorstehenden Wahlen in einigen Schwellenländern. Die Besonderheiten jeder sich entwickelnden Volkswirtschaft und der lokalen Politik werden die Renditen wahrscheinlich beeinflussen, was zu bedeutenden Divergenzen innerhalb der Anlageklasse führt.


Nachdem 2020 die Emerging-Markets-Anleihen, gemessen am JPMorgan EMBI Global Index, eine Rendite von 5,8 % erzielten, was hält das Jahr 2021 bereit? In diesem Artikel erörtern wir die positiven Faktoren, die Emerging-Markets-Anleihen unterstützen, sowie einige der Herausforderungen und wo wir potenziellen Wert in diesen Märkten sehen.


 


Die positiven Faktoren


Geldpolitik: Die durch die äußerst entgegenkommende Geldpolitik der großen Zentralbanken geschaffene Liquidität bietet günstige Rahmenbedingungen fürEmerging-Markets-Anleihen. Sie sind einige der wenigen festverzinslichen Anlagen, die immer noch ordentliche Renditen im Bereich von 4 % bis 6 % bieten, und waren in den letzten Jahren in den Portfolios von institutionellen Anlegern unterrepräsentiert. Dies könnte die Mittelflüsse im kommenden Jahr für Emerging-Markets-Anleihen in harten und lokalen Währungen unterstützen.


Finanzpolitische Anreizmaßnahmen: Entwickelte Volkswirtschaften gingen mit einer hohen Staatsverschuldung in das Jahr 2020. Da der Fokus nun auf massiven Konjunkturmaßnahmen liegt – zumindest bis wir die Pandemie hinter uns gelassen haben – können die Schwellenländer davon profitieren, da sie die für große, staatlich geförderte Infrastrukturprojekte benötigten Rohstoffe bereitstellen.


Der Rohstoffzyklus: Rohstoffe sind nach wie vor ziemlich günstig und wir haben begonnen, einen Aufwärtstrend bei den Preisen zu sehen. Die weltweite Nachfrage nach Öl zeigt nach dem Rekordeinbruch in der ersten Hälfte des Jahres 2020 Anzeichen einer Erholung, es kann aber noch eine Weile dauern, bis das Niveau von 2019 wieder erreicht ist. Zwar erwarten wir, dass die Preise von Rohstoffen wie Eisenerz und Kupfer steigen werden, gehen aber nicht davon aus, dass dieser Rohstoffzyklus so stark sein wird wie jener nach der Finanzkrise im Jahr 2008. Jener Zyklus wurde von einem enormen Bauboom in China befeuert, der sich dieses Mal wahrscheinlich jedoch nicht in diesem großen Umfang wiederholen wird.


Wachstum in entwickelten Volkswirtschaften: Die Stärke der Erholung in Industrieländern wird ein wichtiger Faktor für die Erholung von Emerging-Markets-Anleihen sein — insbesondere für Entwicklungsländer, die bedeutende Rohstoffexporteure sind, eine wichtige Rolle in den Lieferketten des verarbeitenden Gewerbes spielen oder stark vom Tourismus abhängen. Wir gehen davon aus, dass in der zweiten Jahreshälfte eine Rückkehr zu einer halbwegs normalen Wirtschaftstätigkeit erfolgen wird.


Aufschwung im Produktionszyklus: Mit der Erholung der Weltwirtschaft erwarten wir auch einen Aufschwung im Produktionszyklus, von dem die Schwellenländer profitieren werden. Trotz der politischen Rhetorik bezweifeln wir, dass es zu einer umfangreichen Verlagerung von Lieferketten aus den Entwicklungsländern kommen wird. Die jüngsten Daten zum verarbeitenden Gewerbe unterstützen diese Ansicht.


Die politischen Rahmenbedingungen: Die US-Handelspolitik wird unter der Präsidentschaft Bidens wahrscheinlich weniger konfrontativ sein. Anhaltende Meinungsverschiedenheiten über Handelspolitik, die Rechte an geistigem Eigentum und Technologie werden wahrscheinlich fortbestehen, aber weniger konfrontativ sein, und ein vorhersehbarer Ansatz dürfte das Hauptrisiko verringern.


China führt die Erholung an: Die COVID-19-Pandemie hat Volkswirtschaften rund um die Welt getroffen, aber die Entwicklungsländer scheinen einen geringeren Rückschlag erlitten zu haben, da dort die Lockdowns nicht so lange anhielten. In Asien wurde das Virus durch frühzeitiges und rigoroses Vorgehen eingedämmt. Insbesondere China hat eine relativ schnelle Erholung seiner Wirtschaftsaktivität erlebt und dürfte von einem fundamentalen und technischen Rückenwind profitieren. Angesichts des intraregionalen Handels Chinas und als wichtiger Verbraucher von Rohstoffen wirkt sich die schnelle Erholung Chinas auch positiv auf die Schwellenmärkte aus.


 


Die Herausforderungen


Hohe Schuldenlasten: Im Vorfeld der globalen Finanzkrise wiesen die Schwellenmarkt-Volkswirtschaften weitgehend ausgewogene Haushalte auf. Nach einem Jahrzehnt schwachen Wachstums und sinkender Rohstoffpreise waren viele gezwungen, die Haushaltsausgaben zu erhöhen, insbesondere seit dem Ausbruch der Pandemie. Infolgedessen hat die Staatsverschuldung zu steigen begonnen, und es besteht in einigen Ländern die reale Gefahr, dass die Schuldenlast eskaliert und nicht mehr tragbar ist.


Trotz der Risiken, die mit höheren Schuldenlasten verbunden sind, waren die internationalen Kapitalmärkte im Allgemeinen offen für die Schwellenländer, was durch die Nachfrage der Anleger nach höher verzinslichen Vermögenswerten, selektive Finanzierungen von Institutionen wie dem Internationalen Währungsfonds und Liquiditätshilfen von großen internationalen Banken unterstützt wurde.


 


Gefährdete Kredite: Die Ausweitung der Märkte für Emerging-Markets-Anleihen in den letzten 10 Jahren hat dazu geführt, dass viele neue Schuldner an den Markt gekommen sind, insbesondere in den Frontier-Märkten. Dies hat zu einer erhöhten staatlichen Aufnahme von Auslandskrediten geführt, wobei die Währungsschwäche bei vielen Ländern auch zu einem Anstieg der Auslandsverschuldung als prozentualer Anteil der Staatsverschuldung beitrug. Umschuldungen erfolgten in Argentinien, Ecuador, Libanon, Venezuela und Sambia, während Südafrika, Indien, Mexiko, Brasilien und Kolumbien eine Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit hinnehmen mussten. Das wirtschaftliche Ausgangsprofil vieler dieser Schwellenländer lässt ihnen nur wenig Spielraum, um neuen Schocks standzuhalten, so dass eine größere Differenzierung der Kredite und ein aktives Management entscheidend sein werden.


Reformmüdigkeit: Verschiedene aufstrebende Volkswirtschaften in Lateinamerika und in Afrika verzeichnen Wachstumsraten, die unter ihrem vollen Potenzial liegen, was mit fehlenden Reformen, schwachen Investitionen und schlechter makroökonomischer Politik zusammenhängt. Die erste Welle der Reformen beinhaltete die Einführung variabler Wechselkurse, die Kontrolle der galoppierenden Inflation und den Abbau von Handelsbarrieren. Die schwierigeren Strukturreformen, wie Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt, Landreform, optimierte Steuerpolitik und eine stärkere Governance, waren jedoch schwerer umzusetzen.


Inflation: Trotz der desinflationären Trends, die der Pandemie vorausgingen, und angesichts der Erwartungen einer länger anhaltenden Phase niedriger Leitzinsen könnte es 2021 in vielen Entwicklungsländern zu einem Anstieg der Preise für Lebensmittel, Wohnraum und andere lebenswichtige Güter kommen – Positionen, die einen großen Teil ihres Inflationskorbs ausmachen. Die Frage ist, ob sich dieser Inflationszyklus als ein zyklischer „Knall“ oder als etwas Dauerhafteres erweisen wird.


Wahlzyklen: 2021 finden eine Reihe von Präsidentschafts- und Parlamentswahlen statt. Politische Ereignisse haben das Potenzial, Volatilität in diesen Märkten zu erzeugen, aber jede starke Bewegung in den Bewertungen in naher Zukunft im Vergleich zu ihren Aussichten kann auch Kaufgelegenheiten für Anleger schaffen.


 


1 Die Staatsverschuldung stellt die gesamte ausstehende Verschuldung der Zentralregierung eines Landes dar. Die Auslandsverschuldung ist der Teil der Schulden eines Landes, der bei ausländischen Kreditgebern aufgenommen wird.



Rob Neithart ist Chairman von Capital Strategy Research und verfügt über 29 Jahre Investmenterfahrung, alle bei Capital Group. Er ist CFA und hat einen Bachelor in Wirtschaftswissenschaften vom Occidental College.

 

Kirstie Spence ist Portfoliomanagerin für Anleihen mit Spezialisierung auf, Schwellenländer. Sie verfügt über 23 Jahre Anlageerfahrung und hat einen Master-Abschluss mit Auszeichnung in Deutsch und internationalen Beziehungen von der University of St. Andrews, Schottland

Harry Phinney ist ein Fixed Income Investment Director mit 14 Jahren Branchenerfahrung (Stand: 31.12.19). Er hat einen MBA in International Business von der Northeastern University, einen Master in angewandter Statistik und Finanzmathematik von der Columbia University und einen Bachelor in internationaler politischer Ökonomie von der Northeastern University.


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