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Die US-Schuldenobergrenze könnte die Geldmärkte verzerren
Darren Peers
Aktienanalyst
Craig Beacock
Aktienanalyst
Im Überblick
  • Die Aussetzung der US-Schuldenobergrenze könnte Ende Juli auslaufen.Das könnte Auswirkungen auf die Geldmärkte haben.
  • Das Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage bei kurzfristigem Fremdkapital hatte die US-Kurzläuferrenditen in diesem Jahr bereits unter null fallen lassen.
  • Damit die Kurzläuferrenditen positiv bleiben, hat die Fed den Zins für ihre Reverse-Repo-Fazilität angehoben.

Kann es wirklich zu viel Geld geben? Zweifellos zirkulieren im amerikanischen Finanzsystem zurzeit enorme Mengen an Liquidität. Für kurz laufende Fremdkapitaltitel ist das ein Problem, drohen die US-Kurzläuferrenditen doch unter null zu fallen. Wenn die Aussetzung der US-Schuldenobergrenze Ende Juli nach zwei Jahren ausläuft, könnten die Renditen noch mehr unter Druck geraten. Für Investoren dürfte es dann noch schwerer sein, am Geldmarkt etwas  zu verdienen.


Das Problem ist das immer stärkere Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage am Markt für kurzfristiges Kapital. Nach einer aktuellen Analyse von JPMorgan beträgt die Diskrepanz etwa 1 Billion US-Dollar. Banken und Geldmarktfonds wurden mit Geld überschüttet, vor allem aufgrund der Coronahilfen. Dadurch steigt die Nachfrage nach US-Schatzwechseln, den sogenannten Treasury Bills. Aber deren Angebot schrumpft, weil der Staat stattdessen länger laufende Titel begibt und seine Guthaben bei der Fed verringert – in Erwartung einer Neuauflage der Schuldenobergrenze.


Durch diese Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage sind die US-Kurzläuferrenditen dieses Jahr schon einmal kurzzeitig unter null gefallen. Auch ihre Benchmark, die Federal Funds Rate, geriet unter Druck. Längere Zeit unter null lagen die Kurzläuferrenditen zuletzt im März 2020. Als die Märkte zu Beginn der Pandemie einbrachen, wollten die Investoren nur noch geldmarktnahe Anlagen.


Fallende Guthaben bei der Notenbank, weniger Treasury Bills


Quelle: Refinitiv Datastream. Alle Angaben in Milliarden US-Dollar. Wochendaten für die Guthaben des Finanzministeriums bei der Fed, Stand 28. Juni 2021. Monatsdaten für das umlaufende Volumen von Treasury Bills, Stand 31. Mai 2021.


Fed sorgt für Zinsuntergrenze


In ihrer Juni-Sitzung hat die Fed reagiert. Sie passte einige weniger bekannte Zinssätze an, damit die Kurzläuferrenditen positiv bleiben. So erhöhte sie den Reverse-Repo-Satz (RRP) von 0 auf 5 und den Zins auf Mindest- und Überschussreserven von 10 auf 15 Basispunkte.


Wenn eine Bank, ein Geldmarktfonds oder ein staatliches Unternehmen die Reverse-Repo-Fazilität in Anspruch nimmt, verkauft die Fed Wertpapiere und erhält dafür Geld – mit dem Versprechen, die Wertpapiere am nächsten Tag
zurückzukaufen. Faktisch leiht sich die Fed über Nacht Geld. Der Zins, den sie dafür zahlt, wird dann zur Untergrenze für andere Kreditnehmer am kurzfristigen Fremdkapitalmarkt.


Die Inanspruchnahme der Reverse-Repo-Fazilität stieg Ende Juni auf ein Rekordvolumen von etwa 1 Billion US-Dollar – wegen der Zinserhöhung um 5 Basispunkte sowie einer Reihe anderer Maßnahmen, mit der die Fed diese Fazilität attraktiver gemacht hat. Nach der Finanzkrise 2008 erweiterte die Notenbank den Kreis der Kontrahenten, die sie in Anspruch nehmen können. Zu den Primärhändlern der New Yorker Fed kamen Geldmarktfonds, staatliche  Unternehmen sowie Banken hinzu. Im April lockerte die Notenbank dann die Voraussetzungen, sodass auch kleinere Fonds die Fazilität nutzen konnten. Außerdem wurde die maximale Inanspruchnahme durch einen Kontrahenten von 30 auf 80 Milliarden US-Dollar angehoben. In Zukunft könnte die Fazilität noch mehr genutzt werden, da wohl noch viele Monate mit einem Überfluss an kurzfristiger Liquidität zu rechnen ist. Auch könnte das Angebot an Treasury Bills  weiter schrumpfen, da der Staat seine Guthaben verringern will, bevor die  Aussetzung der Schuldenobergrenze ausläuft.


 


 


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Darren Peers ist Aktienanalyst bei der Capital Group und verantwortlich für integrierte Öl- und Gasanbieter aus den USA und Europa, Öl- und Gasförderung und -produktion aus den USA und Kanada, Öl- und Gasraffinerien und -Marketing sowie USMaschinenbaukonzerne. Er hat einen MBA von der Tuck School of Business des Dartmouth College und einen Bachelor in Volkswirtschaft vom Dartmouth College. Peers arbeitet in Los Angeles. 

Craig Beacock ist Aktienanalyst bei der Capital Group und verantwortlich für Energie, kanadische Small und Mid Caps sowie integrierte Ölkonzerne, Midstream und Ölraffinerien aus den USA und Europa. Er hat einen Bachelor in Betriebswirtschaft von der University of Southern California und ist Chartered Financial Analyst®. Beacock arbeitet in San Francisco.
 


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