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Investmentperspektiven der Capital Group

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Finanzen und Banking
Die Zukunft des Finanzsektors aus Analystensicht
William Pang
Investmentanalyst
Andy Budden
Investmentdirektor
Im Überblick
  • Neue Vorschriften und die Digitalisierung haben es dem Finanzdienstleistungssektor nicht leicht gemacht. Technische Innovationen sind aber auch eine Chance, die neue wie auch etablierte Unternehmen zukunftsfähig machen können.
  • Der zunehmende Wohlstand der asiatischen Schwellenländer, der wachsende Derivatemarkt, das steigende Datenvolumen und die bessere Datenqualität können Finanzdienstleistern nützen. Beispiele sind Lebensversicherer, Ratingagenturen und Börsen.
  • Ein überaus spannendes Thema ist Fintech 2.0. Neue Technologien machen neue Produkte und Dienstleistungen möglich, etwa digitale Wallets und robotergestützte Beratung.

Wie schätzen Sie den asiatischen Finanzdienstleistungssektor generell ein?


William Pang: Alles in allem rechne ich hier langfristig mit vielen Chancen. Es könnte wirklich spannend werden. Das Umsatzpotenzial ist groß und wächst weiter. In den asiatischen Emerging Markets wächst die Mittelschicht, und in den asiatischen Industrieländern steigen die privaten Vermögen. Das führt zu einer höheren Nachfrage nach Finanzprodukten und Finanzdienstleistungen. Allerdings fällt es den Banken immer schwerer, hohe Aktionärserträge zu erwirtschaften – auch weil Finanztechnologieunternehmen, sogenannte Fintechs, den Markt grundlegend verändert haben.


Wo genau sehen Sie Chancen?


Andy Budden: Wie William schon sagte, verändern Wachstum und Innovation die Branche grundlegend. Zum Glück sind Bankaktien nicht alles. In drei anderen Bereichen erleben wir interessante Entwicklungen, von denen manche Unternehmen profitieren werden.


1. Börsen


Hier kommen mehrere wichtige Langfristtrends zusammen: der Aufstieg der chinesischen Finanzmärkte, das Wachstum des Derivatemarktes und, besonders wichtig, die immer größeren Datenmengen. Früher waren Börsen stark vom Marktzyklus abhängig. Heute sind sie stabile Wachstumsunternehmen. Manche entwickeln sich sogar antizyklisch.


Ein Beispiel ist die London Stock Exchange Group. Beim Wertpapierhandel hat die Londoner Börse Menschen zumindest teilweise durch Maschinen ersetzt, die mit immer mehr Daten gefüttert werden. Im Januar hat sie die Übernahme des Datenanbieters Refinitiv abgeschlossen, bei Marktdaten die Nummer 2 hinter  Bloomberg. Man schätzt, dass jetzt nur noch etwa ein Drittel des Umsatzes auf den Handel entfällt; die übrigen zwei Drittel trägt in Zukunft das Datengeschäft bei. 1 Hinzu kommt, dass es wächst und für regelmäßige Umsätze sorgen kann, weil die Abonnenten für den Datenbankzugang regelmäßige Gebühren zahlen. Diese berechenbareren Cashflows machen die London Stock Exchange sehr viel konjunkturunabhängiger.


Andere Beispiele sind Hong Kong Exchanges and Clearing, ChinasSchnittstelle  zu den internationalen Finanzmärkten, und die CME Group (früher Chicago  Mercantile Exchange). Sie profitiert vom weltweiten Wachstum des Derivatehandels.


2. Ratingagenturen


Die beiden größten Ratingagenturen, S&P Global und Moody’s, haben stabile Geschäftsmodelle und scheinen wenig angreifbar. Heute werden viele Anleihen mit zwei Ratings begeben, meist von diesen beiden Agenturen. Zusammen haben sie gut 80% Marktanteil. 2 Faktisch handelt sich also um ein Duopol.


3. Versicherungen


Bei klassischen Schaden- und Unfallversicherungen sehen wir eher weniger Chancen. Ein guter Einstiegszeitpunkt ist meist, wenn die Schaden-KostenQuote (der Quotient aus Schaden- und Betriebskostenaufwendungen und Prämieneinnahmen) so stark fällt, dass die Versicherungen ihre Prämien anheben müssen. Aber das ist unserer Ansicht nach zurzeit nicht der Fall.


Interessanter finden wir Lebensversicherungen, da hier mit langfristigem Wachstum zu rechnen ist. In China und den schneller wachsenden asiatischen Ländern nimmt das Interesse der immer wohlhabenderen Bevölkerung an  Finanzprodukten zu, unter anderem an Lebensversicherungspolicen und  Spareinlagen. Viele multinationale Versicherungen wie AIA aus Hongkong haben hier gute Vertriebsnetze und bereits gezeigt, wie gut sie ihre Passivseite managen.


Pang: AIA ist ein wirklich gutes Beispiel für ein Unternehmen, das Finanztechnologie effektiv einsetzt. Für mich ist Finanztechnologie nicht nur etwas für kleine Start-ups, sondern für viele Unternehmen, die ihren Kunden damit Finanzdienstleistungen anbieten können.


 


1. Eigene Schätzungen der Umsatzstruktur der London Stock Exchange Group, März 2021.


2. Quelle: Corporate Finance Institute, 2021


 


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William W.H. Pang ist für die Analyse von Börsenwerten weltweit  verantwortlich (ohne USA). Außerdem befasst er sich mit den Aktien von Banken und diversifizierten Finanzkonzernen in Asien ohne Indien. Pang hat 14 Jahre Investmenterfahrung und ist seit fünf Jahren bei der Capital Group. Er hat einen Master in Volkswirtschaft von der Erasmus-Universität, Rotterdam und einen Bachelor in Volkswirtschaft und Politikwissenschaft von der Universität Utrecht. Pang arbeitet in Singapur

Andy Budden hat 28 Jahre Investmenterfahrung und ist seit 17 Jahren bei der Capital Group. Zunächst arbeitete er als Investmentexperte. Bevor er zu uns kam, war er bei Watson Wyatt Investment Consulting. Er hat sowohl einen Master als auch einen Bachelor in Ingenieurwissenschaften von der Universität Cambridge. Außerdem ist er assoziiertes Mitglied des Institute and Faculty of Actuaries. Budden arbeitet in Singapur.


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