Capital IdeasSM

Investmentperspektiven der Capital Group

Categories
US-Aktien
Wie der Nachholbedarf die Erholung des US-Marktes befeuern könnte
Chris Buchbinder
Aktienportfoliomanager
Todd Saligman
Aktien-Analyst
Lisa Thompson
Aktienportfoliomanagerin

Vermissen Sie es, in Ihrem Lieblingsrestaurant zu essen? Sehnen Sie sich danach, ein Fußballspiel oder einen Film zu sehen oder gar den nächsten Flug in die Karibik zu nehmen?


Da sind Sie nicht allein. Ein Beispiel: Vergangenen Oktober machten 150 rastlose Passagiere einen Flug nach Nirgendwo – einen siebenstündigen Rundflug mit Start und Ziel in Sydney, Australien – nur um wieder einmal eine Flugreise zu erleben. Im Spätherbst letzten Jahres haben einige Kreuzfahrtgesellschaften in Europa und Asien ähnliche Kurztrips ohne Ziel veranstaltet, nur um auf das Wasser hinaus zu kommen.


„Ich glaube, die schnelle Einführung von Impfstoffen ist ein bedeutender Wendepunkt, trotz all der zunehmenden Probleme, die wir dabei in Verbindung mit der Verteilung erleben“, so Aktienportfoliomanagerin Lisa Thompson. „Die Erholung der Reisebranche wird kommen, und ich denke, sie kann relativ schnell erfolgen. Jeder ist erpicht darauf, in den Urlaub zu fahren oder einfach mal rauszukommen und etwas zu unternehmen. Die Frage ist, ob die Erholung Beine hat. Wir müssen abwarten, wie sich, neben anderen Dingen, die Einführung des Impfstoffs weiter entwickelt.“


 


Bereit, willens – und in der Lage – Geld auszugeben


In der Tat scheint der Hüttenkoller die Verbraucher überall erfasst zu haben. Es gibt Anzeichen dafür, dass die Menschen bereit sind, zu handeln: Die Sparraten in den USA sind seit Beginn der Pandemie sprunghaft angestiegen, und obwohl sie sich in den letzten Monaten etwas verlangsamt haben, bleiben sie relativ hoch.





„Sobald es eine Entwarnung gibt, rechne ich damit, dass die Reiselust und die Fähigkeit vieler Verbraucher, Geld auszugeben, zu einer kräftigen Erholung führen könnte, selbst wenn es einige Jahre dauern wird“, ergänzt Thompson, die seit über 30 Jahren als professionelle Anlegerin tätig ist.


„Diese Krise ist ganz anders als die globale Finanzkrise 2008 oder eine der anderen Krisen, die ich in meinem Berufsleben bisher erlebt habe. Heute könnten eine lockerere Fiskalpolitik, eine lockerere Geldpolitik, ein sehr starkes Bankensystem und die hohen persönlichen Sparraten zu einem sehr starken Anziehen der Nachfrage beitragen.“


Von diesen Bedingungen kann nicht nur die Reise- und Freizeitbranche profitieren, sondern auch die Wirtschaft im Allgemeinen. Sicherlich wird es auf dem Weg dorthin Stolpersteine geben, und einige Bereiche werden sich vermutlich schneller erholen als andere.


 


Treue der Passagiere: ein Rückenwind für Kreuzfahrtlinien


Kreuzfahrtschiffe wurden im Februar 2020 zum Epizentrum der COVID-Krise, als 3.700 Menschen nach einem Ausbruch an Bord der Diamond Princess auf dem Schiff unter Quarantäne gestellt wurden. Zu der Zeit entfiel auf das Schiff die Hälfte aller bekannten Fälle außerhalb des chinesischen Festlandes.


„Diese Branche hat so viel negative Presse bekommen, und trotzdem buchen die Leute immer noch Kreuzfahrten für später in diesem Jahr zu höheren Preisen als 2019“, so Aktienanalyst Todd Saligman, der Kreuzfahrt- sowie US-amerikanische und europäische Fluggesellschaften abdeckt. „Das spricht deutlich für die Nachfrage. Es gibt eine Loyalität und Begeisterung unter Kreuzfahrtreisenden, die Menschen, die keine Kreuzfahrten machen, möglicherweise nicht verstehen können, und diese Loyalität hat die Krise überdauert.“


Tatsächlich gaben mehr als 70 % der Befragten einer Branchenumfrage an, dass sie wieder eine Kreuzfahrt machen werden.





Während der Kreuzfahrtverkehr in Europa wieder aufgenommen wurde, verhängte das U.S. Centers for Disease Control eine „No Sail Order“, die in Nordamerika noch nicht wieder aufgehoben wurde.


„Es ist nicht klar, wann die Schiffe wieder in See stechen werden, aber ich glaube, dass sie schneller als viele erwarten wieder voll ausgelastet sein werden“, so Saligman.


Obwohl sich die Kreuzfahrtaktien von ihren Tiefstständen im März erholt haben, glaubt Saligman, dass ausgewählte Kreuzfahrtlinien weiterhin eine Chance für langfristig ausgerichtete Anleger darstellen.


Und angesichts des intensiven Fokus auf umweltfreundlichen Schiffsreisepraktiken „spricht einiges dafür, dass sie eines Tages zu den saubersten Urlaubsorten der Welt gehören könnten“, so Aktienportfoliomanager Chris Buchbinder.


 


Urlaubspläne in der Luft


Ähnlich wie in der Kreuzfahrtbranche ist der weltweite Flugreiseverkehr im Jahr 2020 um schätzungsweise 66 % zurückgegangen, was etwa 20 Mal schlechter ist als der bisherige Rekord. In den USA, die stärker von Geschäftsreisen abhängig sind, waren die Zahlen noch verheerender: Flugreisen gingen in den ersten Monaten der Krise um bis zu 95 % zurück.


Die Verteilung der Impfstoffe und die bisherigen Erfahrungen geben Saligman die Zuversicht, dass die Nachfrage wieder steigen wird. „Ich glaube, es wird schnell gehen, wenn der Impfstoff verteilt wird“, sagt er. „Das haben wir auch nach den Anschlägen vom 11. September gesehen. Viele Leute dachten, die Verbraucher würden nie wieder fliegen, aber der Verkehr erholte sich schnell.“


Und tatsächlich: In China, wo das Virus weitgehend unter Kontrolle ist und sich die Wirtschaft erholt hat, hat der Inlandsflugverkehr fast wieder das Vor-COVID-Niveau erreicht.





Der Welleneffekt


Eine Belebung der Reisenachfrage kann auch einen starken Welleneffekt haben, der den Bedarf an einer Reihe von Gütern und Dienstleistungen schafft und dazu beiträgt, das Stellenwachstum in einer Vielzahl von Branchen zu fördern. Darunter sind Flugzeughersteller, Triebwerksbauer, Hotels, Casinos und Restaurants – sie alle sind durch die Pandemie schwer angeschlagen.


Betrachten Sie beispielsweise die Hersteller von Flugzeugtriebwerken, deren Geschäftsmodell auf wiederkehrenden Einnahmen beruht. Unternehmen wie Safran und General Electric bauen die Triebwerke und verkaufen sie mit einem moderaten Gewinn. Da aber die Triebwerke regelmäßig gewartet werden müssen, können die Hersteller einen Großteil ihrer Einnahmen über Wartungsverträge generieren.


„In diesem Jahr machen sie überhaupt kein Geld, da alle Flugzeuge am Boden bleiben, aber sobald die Reisetätigkeit wieder an Fahrt aufnimmt, werden sich potenziell auch die Cashflows dieser Hersteller erholen“, so Buchbinder.


Im Gegensatz zu anderen Branchen werden die Triebwerksbauer während der COVID-Pandemie keine digitale Disruption erleben, die ihr Geschäft auf den Kopf stellt. „Schließlich gibt es keine digitalen Flugzeugtriebwerke“, fügt Buchbinder hinzu.


 


Märkte neigen dazu, Erholungen zu antizipieren


Märkte nehmen Erholungen der zugrunde liegenden Wirtschaft oftmals vorweg, weshalb es wichtig ist, die zugrunde liegenden Trends frühzeitig zu erkennen. Betrachten wir beispielsweise die globale Finanzkrise, in der die Immobilienbranche und die Automobilindustrie schwer getroffen wurden. Im Jahr 2012 wurde deutlich, dass die Nachfrage dank der sich verändernden Demografie und einer alternden Autoflotte zunahm. In beiden Branchen dauerte die vollständige Erholung mehrere Jahre, aber ein Aufschwung bei Auto- und Wohnimmobilienaktien nahm die Erholung der Nachfrage und der Erträge vorweg. Von Februar 2009 bis Dezember 2010 ging der US-Autoabsatz um 6 % zurück, während die Renditen von Autoaktien um 496 % stiegen.





In jüngerer Zeit, seit der Einführung der Impfstoffe, verzeichneten die Aktien von Unternehmen aus verschiedenen reisebezogenen Branchen starke Gewinne. „Einzelne Unternehmen haben wahrscheinlich Spielraum für Aufschwung“, so Buchbinder.


„Oftmals eilt der Markt der tatsächlichen Erholung der Erträge voraus“, sagt er. „Ich denke, in einem Jahr werden wir ein ganz anderes Umfeld haben, in dem sich die Nachfrage und die Einnahmen für einige dieser Unternehmen auf bedeutsamere und nachhaltigere Weise erholen werden. Unsere Aufgabe als Investoren ist es, diejenigen Unternehmen zu identifizieren, die am meisten von diesem veränderten Umfeld profitieren werden.“



Chris Buchbinder ist Aktienportfoliomanager und hat 25 Jahre Investmenterfahrung. Er hat einen Bachelor-Abschluss in Wirtschaftswissenschaften und internationalen Beziehungen der Brown University.

Todd Saligman ist Aktien-Analyst bei Capital Group mit Research-Verantwortung für die Bereiche Luft- und Raumfahrt, Verteidigung, Fluggesellschaften in den USA und Europa und Kreuzfahrtlinien in den USA. Er verfügt über 12 Jahre Erfahrung in der Investmentbranche und ist seit acht Jahren bei Capital Group tätig. Er hat einen MBA der Harvard Business School und einen Bachelor-Abschluss in Wirtschaftswissenschaften der University of Pennsylvania mit der Auszeichnung „magna cum laude“. Todd Saligman ist in Los Angeles tätig.

Lisa Thompson ist eine Aktienportfoliomanagerin mit 30 Jahren Anlageerfahrung. Sie hat einen Bachelor-Abschluss in Mathematik der University of Pennsylvania und ist als CFA zugelassen.




Learn more about
US-Aktien
Raumfahrt
Konjunkturindikatoren
Demografie und Kultur
Sector Allocation

 

Die Ergebnisse der Vergangenheit sind keine Garantie für künftige Ergebnisse. Wert und Ertrag von Investments können schwanken, sodass Anleger ihr investiertes Kapital möglicherweise nicht oder nicht vollständig zurückerhalten. Diese Informationen sind weder Anlage-, Steuer- oder sonstige Beratung noch eine Aufforderung, irgendein Wertpapier zu kaufen oder zu verkaufen.

Die Aussagen einer bestimmten Person geben deren persönliche Einschätzung wieder. Alle Angaben beziehen sich nur auf den genannten Zeitpunkt (falls nicht anders angegeben). Einige Informationen stammen möglicherweise aus externen Quellen, und die Verlässlichkeit dieser Informationen kann nicht garantiert werden.