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Tesla ist erst der Anfang: Elektroautos auf der Überholspur
Kaitlyn Murphy
Aktien-Analystin
Wenjie Ge
Aktien-Analyst
Chris Buchbinder
Aktienportfoliomanager

Meine Damen und Herren, starten Sie Ihre Batterien!


Klar, es wird schon lange vom Anbruch der Elektroauto-Ära gesprochen. Doch häufen sich die Beweise, dass diese Ära bereits begonnen hat – früher als erwartet.


Ein Beispiel: General Motors gab im Januar bekannt, dass das Unternehmen bis zum Jahr 2035 die Produktion von Benzin- und Diesel-Fahrzeugen einstellen wird. Zuvor hatte Volkswagen, Europas größter Autohersteller, geplante Investitionen in Höhe von 86 Milliarden US-Dollar für die Entwicklung von Elektrofahrzeugen, digitalen Fabriken und selbstfahrenden Autos über die kommenden fünf Jahre veröffentlicht.


Außerdem schickte im Jahr 2020 die Begeisterung der Anleger für Elektrofahrzeuge den Marktwert von Tesla kurzzeitig auf Höhenflug – von 100 Mrd. auf 800 Mrd. US-Dollar – womit das Unternehmen wertvoller als die neun größten klassischen Autohersteller zusammen wurde. Tesla, das letztes Jahr knapp 500.000 Autos verkaufte, erwartet ein Absatzwachstum von 50 % pro Jahr.


Die Internationale Energieagentur geht davon aus, dass die weltweiten Verkäufe von Elektrofahrzeugen während des nächsten Jahrzehnts jährlich um 28 % steigen werden. In Anbetracht der sich weltweit verschärfenden Abgasnormen und der zunehmend attraktiveren Elektrofahrzeugkosten für die Verbraucher seien diese Schätzungen möglicherweise zu konservativ, meint Aktienanalystin Kaitlyn Murphy.


„Neue Entwicklungen werden Elektrofahrzeuge möglicherweise nicht nur wettbewerbsfähig gegenüber neuen Autos mit Verbrennungsmotoren, sondern auch gegenüber der gesamten vorhandenen Fahrzeugflotte auf der Straße machen – inklusive der Gebrauchtwagen“, so Murphy, die für die Analyse der US-amerikanischen Fahrzeug- und Ersatzteilhersteller zuständig ist. „Wir sprechen da von etwa 270 oder 280 Millionen Fahrzeugen in den USA. Wenn man das langfristig betrachtet, lässt das gegebenenfalls ein viel stärkeres Wachstum erwarten, als der Markt annimmt.“





Tatsächlich verändere der Aufstieg der batteriebetriebenen Fahrzeuge das wirtschaftliche Umfeld der weltweiten Autoindustrie, erklärt Murphy. Indem die Unternehmen ihre Flotten von Elektrofahrzeugen ausbauten, bauten sie sich auch eine Basis potenzieller Serviceerträge auf – für das Management der Batterie oder die Bereitstellung aktualisierbarer Software, mit der sich das Kundenerlebnis und die Sicherheit des Fahrzeugs verbessern lassen.


„Egal, ob es sich um klassische Autohersteller oder um Start-ups handelt – Unternehmen, die sich den strukturellen Wandel zu eigen machen und diese Fortschritte schnell auf den Markt bringen, haben langfristig die besseren Karten“, fügt Murphy hinzu.


 


Das weltweite Rennen hat schon begonnen


Die Schätzungen, wie schnell elektrische Autos unser Straßenbild dominieren werden, gehen stark auseinander. Jedoch besteht breite Einigkeit, dass die Tage des Verbrennungsmotors gezählt sind.


Die sich ändernde öffentliche Meinung zu fossilen Brennstoffen, die Regierungspolitik und die rasche Innovation machen neuen Druck für die Einführung von Elektrofahrzeugen. Die Umstiegsquote ist in den letzten fünf Jahren stark gestiegen, was in großen Teilen staatlichen Anreizen und schärferen Abgasnormen für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor zu verdanken ist.


China und Europa fuhren eine besonders aggressive Politik im Hinblick auf die Bereitstellung von Fördermitteln und die Einführung scharfer Grenzwerte für Emissionen aus fossilen Brennstoffen. Dadurch wurden diese Regionen zu Vorreitern bei der Herstellung von Elektrofahrzeugen – ein Trend, der sich wahrscheinlich über das nächste Jahrzehnt fortsetzen wird.





Es gibt Grund zu der Annahme, dass andere Märkte schneller als erwartet aufschließen könnten.


Derzeit nähern sich Elektrofahrzeuge dem entscheidenden Punkt an, ab dem sie billiger in der Anschaffung als herkömmliche Autos sein werden, und zwar sogar ohne staatliche Förderung. „Es lässt sich nicht von der Hand weisen, dass Elektrofahrzeuge erschwinglicher und beliebter werden“, erklärt Wenjie Ge, ein Aktienanalyst, der asiatische Autohersteller beobachtet. „Und die stärkste Triebfeder dieses Wandels sind rasch fallende Batteriekosten.“



Bessere, billigere Batterien beschleunigen den Umstieg auf Elektrofahrzeuge


Derzeit sind Elektrofahrzeuge üblicherweise mit einer Lithium-Ionen-Batterie mit etwa 40-60 kWh ausgestattet, was etwa ein Drittel des Fahrzeugpreises ausmacht. Elektroautos werden billiger als herkömmliche Autos, sobald die Batteriekosten auf unter 100 US-Dollar pro Kilowattstunde (kWh) fallen. Während des letzten Jahrzehnts ist der Durchschnittspreis laut einer Analyse von Bloomberg von 917 US-Dollar pro kWh auf etwa 137 US-Dollar gefallen.


„In China – bereits ein führendes Land bei der Batterieherstellung – haben die Batteriekosten für einige Fahrzeuge bereits die Schwelle von 100 US-Dollar erreicht, Jahre früher als zuvor prognostiziert“, so Ge. „Und es wird erwartet, dass sie bis 2030 auf unter 60 US-Dollar sinken werden.“


Daher führten die Hersteller von Elektrofahrzeugen jüngst Modelle mit günstigeren Preisen, höherer Leistung und größerer Reichweite ein. In der Regel kommt man mit Elektroautobatterien rund 300 bis 600 Kilometer weit, bis man sie laden muss. Zu Vorreitern bei billigeren und besseren Batterien zählen CATL in China, LG Chem und Samsung SDI in Korea sowie Tesla in den USA.





Geringere Betriebskosten


Für den Konsumenten werden Elektrofahrzeuge in Zukunft nicht nur durch ihren niedrigeren Verkaufspreis attraktiver sein. „Überlegen Sie sich einmal, wie die Gesamtbetriebskosten eines Elektrofahrzeugs im Vergleich zu jenen eines Fahrzeugs mit Verbrennungsmotor aussehen können“, bemerkt Murphy. Beispielsweise haben typische batteriebetriebene Autos in der Regel deutlich niedrigere Wartungs- und Verbrauchskosten als Autos, die mit fossilen Kraftstoffen betrieben werden.


Benzin ist eine säurehaltige, korrosive Flüssigkeit, die Motoren verschleißen lässt, weshalb regelmäßige Wartung erforderlich ist. Das US-Verkehrsministerium schätzt, dass der durchschnittliche amerikanische Fahrer etwa 12 Cent pro Kilometer für Benzin und 9 Cent für Wartung ausgibt.


„Und Strom ist in der Regel billiger als Benzin, womit die Verbrauchskosten über das Fahrzeugleben hinweg gesehen niedriger sind“, fügt Ge hinzu.


 


Software in voller Fahrt


Eine weitere wichtige Innovation, die nicht nur Auswirkungen auf fahrtkostenbezogene Erwägungen hat, sondern eine Transformation des gesamten Kundenerlebnisses darstellt, ist die Einführung Software-definierter Elektrofahrzeuge. Die Software kann Over-The-Air-Updates erhalten, um die Funktionalität und die Sicherheit zu verbessern, stellt aber auch Unterhaltungsmöglichkeiten bereit.


Natürlich würden diese Over-The-Air-Updates nicht alle Herausforderungen überwinden, die mit Autos verbunden sind, doch würden innovativere Hersteller in der Lage sein, Fahrzeuge zu konstruieren, die lern- und verbesserungsfähig sind, sicherer werden und im Laufe der Zeit zusätzliche Services bieten, so Murphy.


„Mit diesem Ansatz kann ein Elektrofahrzeughersteller einen Teil des heftigen Wertverlusts ausgleichen, der mit älteren Autos verbunden ist“, bemerkt sie.


Murphy erklärt, sie versuche, jene Unternehmen zu identifizieren, die das Potenzial haben, nicht nur Geld mit dem Verkauf der Autos zu verdienen, sondern auch Abo-Pakete anzubieten, die Batteriemanagement, Insassenunterhaltung, verbesserte Sicherheit und Selbstfahrtechnologie umfassen.


„Es ist wichtig herauszufinden, wer damit am schnellsten vorankommt“, sagt sie. „Außerdem stelle ich mir die Frage, wie viel besser als heute dieses Produkt aufgrund der Softwareupdates in fünf Jahren sein wird.“


 


Direkt um die Ecke: Autonome Fahrzeuge


Vielleicht das bedeutendste Softwareupdate für einige Modelle wird die Möglichkeit zum autonomen Fahren sein. Hören wir nicht schon seit etwa zehn Jahren, dass es in fünf Jahren selbstfahrende Autos geben wird? Doch, wie der Essay-Schreiber und Schriftsteller William Gibson einst witzelte: „Die Zukunft ist schon da. Sie ist nur nicht sehr gleichmäßig verteilt.“


Waymo, Googles Geschäftsbereich für autonomes Fahren, testet Fahrzeuge in der Gegend von Phoenix seit Anfang 2017. Cruise, sein Pendant bei General Motors, testet vollständig autonome Fahrzeuge in San Francisco, während das chinesische Start-up AutoX in Shenzhen eine autonome Flotte ohne menschliche Fahrer, die in den Betrieb eingreifen könnten, auf die Straße geschickt hat.


„In den nächsten paar Jahren werden sie in weitere Märkte vordringen, und die Anleger werden verstehen, dass das ein echtes Geschäft und nicht nur ein wissenschaftliches Projekt ist“, betont Aktienportfolioverwalter Chris Buchbinder. „Ich denke, 2030 wird es weit verbreitete Flotten autonomer Elektrofahrzeuge in den meisten größeren und vielen kleineren Städten auf der ganzen Welt geben. Viele Leute werden nach wie vor Autos haben – genau wie die Leute zum Spaß reiten oder Fahrrad fahren –, doch ein eigenes Auto zu haben, wird keine Notwendigkeit mehr sein, sondern ein Luxus.“


 


Gewinner und Verlierer erkennen


In der Tat stellen die Fortschritte bei elektrischen und autonomen Fahrzeugen eine transformatorische Veränderung dar, die vermutlich die Branche in den kommenden Jahren neu definieren wird. Zwar befinden sich die Elektrofahrzeuge an der Schwelle zur Rentabilität, doch werden einige Modelle diesen Punkt eher erreichen als andere. „Als Investoren, die in Unternehmen und nicht in Branchen anlegen, ist es unsere Aufgabe, jene Unternehmen zu identifizieren, die am ehesten Autos produzieren werden, die langfristig Erträge abwerfen“, erklärt Ge.


Im Jahr 2020 hieß der Marktführer eindeutig Tesla, ein Pionier in den Bereichen Batterietechnologie und Fahrzeugsoftware. Weitere führende Unternehmen waren Volkswagen, das enorm in die Fertigung von Elektrofahrzeugen investiert hat, und BYD in China. In der Zukunft werden jene Unternehmen, die sich rasch den strukturellen Wandel zueigen machen und sich schnell anpassen, langfristig die besseren Karten haben – egal, ob es sich um Automobilriesen oder Start-ups handelt.





„Es ist eine weit verbreitete Annahme, dass aufgrund einer so disruptiven Änderung und aufgrund der Start-ups, die bereits auf der Jagd nach Marktanteilen sind, die Platzhirsche um ihr Überleben kämpfen müssen“, so Murphy. „Altgediente Autohersteller müssen sich mit der Abschreibung alter Fabriken, dem Management der Beziehungen zu ihren Lieferanten und schrumpfenden Gewinnen herumschlagen. Jedoch verfügen sie über riesige Ressourcen und weltweite Fertigungskapazitäten. Start-ups haben nicht die damit verbundenen Kostenbelastungen, könnten sich aber schwer tun, die Produktion hochzufahren.“


Aber denken Sie nicht, dass die etablierten Unternehmen schon aus dem Spiel sind. Werfen Sie vielmehr einen Blick auf GM, wo CEO Mary Bara eine Disruption des Unternehmens von innen heraus vollführt. GM will nicht nur bis 2035 vollständig auf Elektrofahrzeuge umstellen, sondern investiert auch kräftig in Cruise, seinen Geschäftsbereich für autonomes Fahren.


„Das ist keine kurzfristige Gelegenheit, sondern birgt für etablierte Unternehmen und Start-ups gleichermaßen das Potenzial für ein leistungsfähiges, auf Software und geistigem Eigentum basierendes Geschäftsmodell, das attraktive wirtschaftliche Vorteile für den Konsumenten und sicherheitstechnische Vorteile für die Gesellschaft bietet“, führt Buchbinder aus.


 


Breitere wirtschaftliche Auswirkungen


Der Wandel der weltweiten Autoindustrie wird drastische Auswirkungen auf andere Branchen haben, darunter Energie, Versorgung, Fertigung, Bergbau und Versicherung, um nur einige zu nennen.


„Durch den breiteren Umstieg auf Elektrofahrzeuge könnte unser Ölverbrauch in wenigen Jahren seinen Höhepunkt erreicht haben“, meint Ge. Natürlich stammt ein großer Teil der Elektrizität auf der Welt immer noch aus der Verbrennung von Öl, Kohle und Erdgas. Was noch fehlt: mehr Ladestationen, mehr Stromerzeugung und letztendlich eine sauberere Stromerzeugung. „In Deutschland stammt beispielsweise die Hälfte des Stroms aus erneuerbaren Quellen. In anderen Ländern liegt der Anteil bei 20 %.“


Im Laufe der Zeit werden wir mehr Strom erzeugen müssen, und dieser sollte irgendwann aus einer besseren Mischung sauberer Quellen stammen. In anderen Bereichen der Wirtschaft könnte die Nachfrage nach Rohstoffen wie Nickel, Kobalt und Lithium – Stoffen, die in Batterien Verwendung finden – stark ansteigen.


„Dies könnte geopolitische Auswirkungen haben, da die Staaten und Unternehmen im Wettbewerb um den Zugang zu diesen Materialien stehen“, fügt Ge hinzu.


Selbst Versicherungs- und Medienunternehmen werden die Auswirkungen spüren. „Die Hersteller von Elektroautos bauen die Infrastruktur nicht nur auf, um an gefahrenen Kilometern zu verdienen. Sie schielen auch auf einen Anteil in den Bereichen Versicherung, Stromversorgung, Medien und mehr“, schließt Murphy.


Da diese gesamte weltweite Branche einer massiven Disruption ausgesetzt ist, wird es in den kommenden Jahren wohl zu außerordentlichen Veränderungen kommen, bei denen professionelle Anleger wie Murphy, Buchbinder und Ge sich ständig auf den vor ihnen liegenden Weg konzentrieren müssen. Schnallen Sie sich an – für eine elektrisierende Fahrt!



Kaitlyn Murphy ist als Aktien-Analystin in den Bereichen Chemie, Automobil und Automobilkomponenten in den USA sowie Schienenverkehr in den USA und Kanada. Sie hat einen Bachelor in Organisationswissenschaften von der Brown University.

Wenjie Ge ist als Aktien-Analyst für asiatische Autokonzerne, Telekommunikationsunternehmen in Nordasien und Großchina sowie das Verkehrssegment für die Region Großchina zuständig. Er hat einen Bachelor in Naturwissenschaften von der University of Cambridge und ist in Hongkong tätig.

Chris Buchbinder ist Aktienportfoliomanager und hat 25 Jahre Investmenterfahrung. Er hat einen Bachelor-Abschluss in Wirtschaftswissenschaften und internationalen Beziehungen der Brown University.


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