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Interview mit Damir Bettini zu internationalen Unternehmensanleihen
Damir Bettini
Portfolio-Manager für festverzinsliche Wertpapiere
Im Überblick
  • Da die Spreads wieder so eng sind wie vor Corona, befinden sich Investmentgrade-Anleihen in einem labilen Gleichgewicht. 
  • Dem Aufschwung der Weltwirtschaft und den besseren Fundamentaldaten steht das Risiko einer allmählichen Straffung der Geld- und Fiskalpolitik gegenüber.
  • Wegen der hohen Bewertungen sollte man wählerisch sein und die Kreditqualität sorgfältig analysieren.

Ein Jahr nach dem Höhepunkt der Coronakrise sind die Credit Spreads fast wieder so eng wie früher. Ist das Ertragsprofil von Unternehmensanleihen jetzt asymmetrisch?


Tatsächlich rechnen wir kaum noch mit einem weiteren Spreadrückgang. Zuletzt waren die Spreads im Januar 2018 so niedrig wie heute, und das nur für wenige Wochen. Für längere Zeit waren die Spreads zuletzt von Mitte 2003 bis Mitte 2007 so eng, also vor der internationalen Finanzkrise.1 Auch damals waren die Risiken asymmetrisch, insbesondere auf mittlere Sicht. Aber die Welt hat sich verändert: Die Geld- und Fiskalpolitik war äußerst expansiv, um die Märkte durch die schwierigen Monate zu führen. Dies hat eine größere Systemkrise an den Credit-Märkten verhindert.


Hinzu kommt, dass die Verschuldungsgrade der Unternehmen gestiegen sind. Der Schwerpunkt der Emissionen hat sich verlagert, von Immobilien- und Hypothekenkrediten zu Krediten an Unternehmen. Die Fundamentaldaten der Unternehmen waren vor der Coronakrise gut. Mehr Fremdkapital haben vor allem Firmen aufgenommen, die es sich auch leisten konnten. Die Systemrisiken sind daher heute niedriger als vor der internationalen Finanzkrise. Außerdem haben sich die Zinsdeckungsgrade seitdem verbessert, und in den USA wurden unter Trump die Unternehmenssteuern gesenkt. Insgesamt fällt es ihnen daher heute leichter, ihre Schulden zurückzuzahlen. Wenn die Zinsen so niedrig sind wie jetzt, scheint man sich mehr Fremdkapital leisten zu können, aber das könnte sich auch ändern. Viele Unternehmen haben die niedrigen Zinsen seit Beginn der Pandemie genutzt, um neue Anleihen zu begeben. Die Bruttoemissionen waren 2020 außerordentlich hoch, aber die Unternehmen haben mit dem eingeworbenen Kapital sehr konservativ gewirtschaftet. Weil Corona auch zu einer Liquiditätskrise geführt hat, haben die Unternehmen ihre Barmittelbestände aufgestockt. Dies hat zweifellos dazu beigetragen, dass sich die Kreditkennzahlen nicht noch weiter verschlechtert haben


Natürlich sind Anleihen bei den derzeit engen Spreads hoch bewertet, doch lässt sich der genaue Zeitpunkt einer Spreadausweitung nicht leicht vorhersagen. Nach wie vor sind Geld- und Fiskalpolitik äußerst expansiv, und es ist reichlich Liquidität vorhanden. Auch ist die Nachfrage nach Unternehmensanleihen noch immer hoch, was für eine gute Markttechnik sorgt. Deshalb und wegen des besseren Konjunkturausblicks lässt sich eine starke Untergewichtung von Investmentgrade-Anleihen kaum noch sinnvoll begründen. 


Für Selbstgerechtigkeit ist dennoch kein Platz. Vielmehr sollte man wählerisch sein. Ein aktiver Investmentansatz auf fundamentaler Grundlage kann Mehrwert schaffen. Man muss wissen, welche Unternehmen sich zu hoch verschuldet haben und wem eine Verschlechterung des Geschäftsumfelds keine größeren Schwierigkeiten macht.


 


1 . Stand Mai 2021, gemessen am Bloomberg Barclays Global Aggregate Corporate Index. Quelle: Bloomberg Barclays


 


Risikofaktoren, die vor einer Anlage zu beachten sind:

  • Diese Präsentation ist keine Investmentberatung oder persönliche Empfehlung.
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  • Der Verkaufsprospekt und die Wesentlichen Anlegerinformationen (KIID) nennen zusätzliche Risiken. Je nach Fonds können dazu auch die Risiken von Anlagen in festverzinslichen Wertpapieren, Derivative, Emerging Markets und/oder High-YieldAnleihen zählen. Die Märkte der Emerging-Market-Länder sind volatil und können illiquide werden.


Damir Bettini ist Fixed-Income-Portfoliomanager und Research Director bei Capital Group. Als Fixed-Income-Investmentanalyst deckt er europäische Banken ab. Er verfügt über 13 Jahre Investmenterfahrung, die er bei Capital Group gesammelt hat. Zu einem früheren Zeitpunkt in seiner Karriere bei Capital hat er auch Versicherungen und Telekommunikation abgedeckt. Bevor er zu Capital kam, war Damir ein Senior Director und der globale Leiter der Versicherungskriterien bei Fitch Ratings. Davor war er Senior Analyst für Versicherungsaktien bei der Bank of America und Direktor und leitender Analyst bei Standard & Poor's Insurance Ratings. Er hat einen Bachelor-Abschluss in Luftfahrttechnik vom Queen Mary and Westfield College, University of London. Damir arbeitet in London.


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