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China
Drei Einschätzungen zu China: Was bedeutet die Biden-Administration für Politik und Investment
Michael Thawley
Politischer Volkswirt
Christopher Thomsen
Aktienportfoliomanager
Im Überblick
  • Bidens Ansatz muss nicht problemlos funktionieren.
  • Die USA und China dürften auch in Zukunft voneinander abhängig sein.
  • China möchte unabhängiger vom Ausland werden. Für Anleger kann das interessant sein.

Die ersten 100 Tage sind für einen neuen Präsidenten nie einfach. Doch jetzt sind die amerikanisch-chinesischen Beziehungen vielleicht so schlecht wie seit 50 Jahren nicht mehr. Joe Biden muss schwierige Entscheidungen treffen, mit Auswirkungen auf das Machtgleichgewicht zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt. Wie könnten sich die Beziehungen zwischen den beiden Ländern in den nächsten vier Jahren entwickeln?


Wir sprachen mit unserem politischen Volkswirt Michael Thawley und Portfoliomanager Chris Thomsen, um zu erfahren, welche Auswirkungen auf Außenhandel und Finanzanlagen sie erwarten.


Wie sehr könnte sich die Politik unter Biden ändern?


Michael Thawley: Biden steht vor den gleichen Problemen wie Trump. Weltpolitisch dürfte sich daher nicht allzu viel ändern. China ist heute das Land mit dem größten Anteil am Weltwirtschaftswachstum. Die chinesische Führung ist selbstbewusster geworden und möchte auf der internationalen Bühne stärker mitreden.


Ich glaube daher, dass Biden nichts Grundlegendes ändert, allerdings mit einigen wichtigen Ausnahmen. Ich rechne damit, dass die Zölle auf absehbare Zeit in Kraft bleiben. Auch die Investitions- und Technologierestriktionen dürfte Biden beibehalten. Vermutlich wird er aber versuchen, sie klarer zu formulieren, damit die Politik effizienter und berechenbarer wird. Das könnte manchen USTechnologieunternehmen und Wall-Street-Banken nützen, die in China investieren oder geschäftlich tätig sind.


Beispielsweise ist China für amerikanische Halbleiterhersteller oft der größte Absatzmarkt. Wenn sie keine höherwertigen Chips nach China verkaufen dürften, könnte dies ihren Umsätzen auf Dauer schaden. Außerdem wollen sich Wall-Street-Banken und Assetmanager mehr in China engagieren, nachdem Peking die Regeln für ausländische Unternehmen gelockert hat.


Ansonsten möchte Biden Bündnisse schmieden und den Klimawandel bekämpfen. Damit unterscheiden sich seine außenpolitischen Ziele stark von denen der Vorgängerregierung. Vielleicht wird er Chinas Hongkong- und Taiwanpolitik auch mit gezielteren Sanktionen beantworten. Mit diesem Risiko müssen wir leben.


Noch immer gehen viele chinesische Unternehmen in den USA an die Börse1


Börsengänge chinesischer Unternehmen an der Nasdaq und der NYSE


Wo sehen Sie Fallstricke?


Thawley: Biden und seine Leute werden versuchen, die Bündnisse der USA wiederzubeleben und bei der Chinapolitik mit den alten Verbündeten zusammenzuarbeiten. Nach landläufiger Meinung war die Politik der Vorgängerregierung sehr unilateral – America first. Biden muss jetzt eine internationale Koalition schmieden, um Einfluss auf China zu nehmen – in der Hoffnung auf ein neues Gleichgewicht.


Ziel ist wirtschaftliche Zusammenarbeit zum Wohle aller, wobei es China schwerer gemacht werden soll, die USA und ihre Verbündeten unter Druck zu setzen. Das wird nicht einfach sein.


Südkorea, Japan und Australien wenden sich schon jetzt hilfesuchend an die USA, da sie im Westpazifik ein Gegengewicht zu China wünschen. Das ist schwierig, da bei den Beziehungen zu China stets auch große wirtschaftliche Interessen eine Rolle spielen. Die USA und ihre Verbündeten wollen mit China noch immer Geschäfte machen, und Anleger wollen hier noch immer investieren.


Die Biden-Administration könnte sich mit China auf eine Formel verständigen, die die weltwirtschaftliche Bedeutung des Landes anerkennt. Dadurch könnten die Wettbewerbsbedingungen fairer werden. Aus meiner Erfahrung im Regierungsapparat kann ich aber sagen, dass eine belastbare Einigung auf gemeinsame Grundsätze nicht einfach ist.


1. Quelle: FactSet. Stand 31. Dezember 2020


 


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Michael Thawley ist politischer Volkswirt mit 49 Jahren Branchenerfahrung. Er hat einen Abschluss in Geschichte von der Australian National University.

Christopher Thomsen ist Aktienportfoliomanager mit 23 Jahren Branchenerfahrung. Er hat einen MBA von der Columbia Business School und einen BA in Internationaler Volkswirtschaftslehre von der School of Foreign Service der Georgetown University, Washington.


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