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Investmentperspektiven der Capital Group

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Was uns globale Finanzzyklen sagen können
Jens Sondergaard
Währungsanalyst
Im Überblick
  • Die Finanzzyklen sprechen zurzeit dafür, dass sich die USA in den nächsten Jahren schneller erholen als die übrige Welt.
  • In Europa braucht der Aufschwung mehr Zeit, auch wegen der weniger expansiven Geld- und Fiskalpolitik nach Corona.
  • In den meisten Emerging Markets hat der neue Finanzzyklus gerade erst begonnen. Hier scheint höheres Wachstum möglich, wenn die Industrieländer den Zenit bereits überschritten haben.

Die meisten Länder lassen die Coronakrise gerade hinter sich. Umso genauer achten die Investoren auf jede neue Wirtschaftszahl, um sich ein Bild vom Wachstums- und Inflationsausblick zu machen. Ich meine, dass sie dabei die Vogelperspektive einnehmen und die Finanzzyklen betrachten sollten. Sie geben Aufschluss über die langfristige Entwicklung. Nach meiner aktuellen Analyse der Finanzzyklen verschiedener Länder und Regionen sind die Perspektiven für die US-Wirtschaft und den US-Dollar in den nächsten Jahren gut. Europa und China schätze ich zurückhaltender ein.


Der Finanzzyklus beruht auf Hauspreisen und privaten Schulden. Das von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) entwickelte Konzept nutzt die Tatsache, dass sich beide Parameter nur langsam ändern und sich gegenseitig beeinflussen. Schließlich sind Kredite nötig, um Häuser zu kaufen und zu bauen. Ein Finanzzyklus dauert oft sehr viel länger als der bekanntere Konjunkturzyklus, der Schwankungen der Wirtschaftsleistung abbildet. Ich halte den Finanzzyklus für sehr nützlich, um den Ausblick für die einzelnen Volkswirtschaften und die Erträge der verschiedenen Assetklassen einzuschätzen.


Die vier Phasen des Finanzzyklus


Der Finanzzyklus besteht aus vier Phasen, die sich an der Entwicklung der Schulden in einer Volkswirtschaft orientieren. Wenn er seinen Gipfel erreicht, kann das ein Frühwarnsignal für eine Finanzkrise sein. Der letzte Gipfel des USFinanzzyklus im Jahr 2006 ging der internationalen Finanzkrise unmittelbar voraus. Wendepunkte des Finanzzyklus sind oft auch Wendepunkte der Aktienund Anleihenmärkte. Meine Analyse der Assetklassenerträge der letzten gut 40 Jahre zeigt, dass Anleihen auf dem Gipfel des Finanzzyklus häufig deutlich vor Aktien liegen. Aktien liegen oft am Tiefpunkt vorn.


Die vier Phasen des Finanzzyklus: Wie schneiden Aktien und Anleihen ab?1


Vier Schlussfolgerungen aus der aktuellen Position im Finanzzyklus


Ich selbst analysiere seit sieben Jahren die Finanzzyklen von fast 40 Ländern weltweit. Vier Dinge fallen mir zurzeit auf:


Der US-Finanzzyklus könnte noch mal steigen2

I’ve been tracking the financial cycles of nearly 40 countries around the world for the past seven years. Here are four key trends that I’m seeing:


1. Der US-Finanzzyklus befindet sich im Aufwärtstrend


Die USA sind eines der wenigen Länder, in denen sowohl die Hausbau- als auch die Kreditkomponente des Finanzzyklus steigen. Das verspricht ein hohes Wirtschaftswachstum in den kommenden Jahren. Vor allem der starke Hauspreisanstieg hat den Finanzzyklus gestärkt. Im 4. Quartal 2020 sind die amerikanischen Hauspreise im Vorjahresvergleich um fast 10% gestiegen und damit wesentlich stärker als vor der internationalen Finanzkrise. Auch die private Kreditaufnahme hat sich erhöht, weil die Fed die Zinsen fast auf null gesenkt und Liquidität in das Finanzsystem gepumpt hat. Sie wollte damit die wirtschaftlichen Folgen von Corona abmildern. In den USA sind die privaten Schulden im 4. Quartal 2020 auf 160% des BIP gestiegen, nach 148% vor einem Jahr, schätzen die Fed und das Bureau of Economic Analysis.


Der US-Finanzzyklus könnte noch einmal steigen2


Trotz des zuletzt stärkeren Anstiegs der US-Hauspreise und des höheren Kreditmengenwachstums befindet sich der US-Finanzzyklus noch immer in seiner Endphase. Meine Basisprognose ist, dass er Ende 2023 oder Anfang 2024 seinen Gipfel erreicht und dann wieder Phase 1 ansteht. Das wäre also erst nach dem Jahr 2022 der Fall, für das ich vor Corona den Gipfel erwartet hatte. Vielleicht ist meine aktuelle Prognose sogar noch zu pessimistisch; schließlich scheinen weitere Konjunkturprogramme denkbar, die Impfkampagnen sind erfolgreich, und die Fed hat erklärt, dass sie trotz der höheren Inflation bei einer expansiven Geldpolitik bleiben will. Sollte die amerikanische Notenbank die Geldpolitik aber unerwartet früh straffen, werden höhere Zinsen die USHauspreise vermutlich dämpfen. Das Kreditmengenwachstum würde dann ebenfalls nachlassen, sodass der Finanzzyklus schwächer würde.


 


1. Quelle: Capital Group. Angaben nur zur Information und ohne Zusicherung oder Versprechen tatsächlicher Entwicklungen. Die Analyseergebnisse hängen sehr stark von unseren Annahmen ab. Die tatsächlichen Ergebnisse können daher deutlich davon abweichen, weil die Marktentwicklung möglicherweise nicht unseren Annahmen entspricht. Die Darstellung des Finanzzyklus beruht auf einem volkswirtschaftlichen Modell, Daten der Jahre 1974 bis 2014 sowie unseren Einschätzungen.


2. Quellen: Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD), National Institute of Economic and Social Research sowie Berechnungen der Capital Group. Tatsächliche Daten bis zum 3. Quartal 2020; Prognosen bis zum 2. Quartal 2025. Index, 1971=0. Prognosen auf Basis der aktuellen gesamtwirtschaftlichen Prognosen des National Institute of Economic and Social Research.


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  • Je nach Strategie können Risiken bei Investitionen in festverzinslichen Wertpapieren, Derivate, Emerging Markets und/oder High-Yield-Anleihen auftreten. Emerging-Market-Anlagen sind volatil und ggf. auch illiquide.


Jens Søndergaard ist Währungsanalyst bei der Capital Group. Er hat 15 Jahre Investmenterfahrung und ist seit acht Jahren in unserem Unternehmen. Er hat einen PhD in Volkswirtschaft und einen Master in Internationalen Beziehungen von der Georgetown University. Søndergaard arbeitet in London.


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