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Investmentperspektiven der Capital Group

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Technologie und Innovationen
Diese drei Gesetze sind der Motor für Innovationen und Anlagegelegenheiten
Isaac Sudit
Aktien-Analyst
Rich Wolf
Portfoliomanager/Investment-Analyst
Kaitlyn Murphy
Aktien-Analystin

Sie haben vermutlich schon vom Mooreschen Gesetz gehört – der Beobachtung, dass Halbleiter im Laufe der Zeit deutlich schneller und billiger werden und die Rechenleistung verbessern. Aber kennen Sie auch das Flatleysche und das Wrightsche Gesetz?


Keine dieser Beobachtungen in Bezug auf den technologischen Fortschritt kann als unveränderliches Naturgesetz – wie Newtons Gravitationstheorie – bezeichnet werden, aber sie haben dazu beigetragen, den Weg für einige der überzeugendsten Fortschritte der letzten 50 Jahre zu ebnen. Und dadurch haben sie dazu beigetragen, das Leben der Verbraucher zu verbessern und langfristige Chancen für versierte Unternehmen und Anleger zu schaffen.


 


1. Das Mooresche Gesetz und die Verbreitung der Halbleiter


Der Intel-Mitbegründer Gordon Moore hat während seiner Forschungstätigkeit in den 1960er Jahren die berühmte Beobachtung gemacht, dass sich die Anzahl der Transistoren, die auf einen integrierten Schaltkreis passen, etwa alle 18 Monate bis zwei Jahre verdoppelt, was effektiv zu mehr Rechenleistung bei gleichen Kosten führt. Er bemerkte des Weiteren, dass es keinen Grund gab, warum der Fortschritt nicht weitergehen könnte.


Dies war nicht unbedingt ein naturwissenschaftliches Gesetz, wie das Newtonsche Gravitationsgesetz, sondern eher ein Anspruch, der den Ingenieuren ein Ziel vorgab. „Es geht hauptsächlich darum, wie viel Sie in Forschung&Entwicklung investieren, um die Transistorgröße zu verringern“, bemerkt der Aktien-Analyst Isaac Sudit, der sich seit mehr als zwei Jahrzehnten mit Halbleitern beschäftigt und Gordon Moore als junger Analyst kennengelernt hat. „Nun, Unternehmen investieren aus einem bestimmten Grund – um eine Rendite zu erzielen. Wie sich zeigt, hat sich das wirtschaftliche Umfeld der Branche so entwickelt, dass genügend Gewinne erwirtschaftet wurden, um dieses Innovationstempo beizubehalten. So wurde das Gesetz zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung.“


 


Das Tempo dieser Fortschritte trug dazu bei, die Revolution des Personal Computing in den 1980er und 1990er Jahren voranzutreiben, und ebnete den Weg für Mobiltelefone, selbstfahrende Autos und medizinische Geräte.


Da Halbleiter ständig billiger und leistungsstärker werden, kommen sie in immer mehr Bereichen unseres täglichen Lebens zum Einsatz. Im Großen und Ganzen werden sie weiterhin Verbesserungen bei den Dingen vorantreiben, die wir schon benutzen, wie Telefone und Tablets, Autos, Unterhaltungssysteme und -geräte. „Die Kosten sinken in dem Maße, dass wir neue Geschäftsmodelle schaffen können, die es Unternehmen ermöglichen, Geld zu verdienen, und genau das beobachten wir gerade“, ergänzt Sudit.


 


Zwei weitere dramatische Fortschritte haben die Landschaft der Halbleiterindustrie verändert: Cloud Computing und künstliche Intelligenz. „Die Speicherung von Daten in der Cloud hat die Datenverarbeitung von einer Kostenstelle in ein Profit-Center verwandelt. Die Server werden nun bei Unternehmen wie Amazon oder Microsoft angemietet, was wiederum die Schaffung neuer Geschäftsmodelle ermöglicht hat“, so Sudit. Im Falle der künstlichen Intelligenz sind virtuelle Assistenten wie Alexa und Siri und intelligente Thermostate wie Google Nest bereits bei den Verbrauchern im Einsatz. „Das Aushängeschild für den Fortschritt in der künstlichen Intelligenz ist natürlich das selbstfahrende Auto.“


Was bedeutet all dies für Anleger? Der zunehmende Einsatz von Halbleitern ist langfristig ein eindeutig positives Zeichen für die Branche.


„Die Halbleiterindustrie ist noch relativ jung – etwa 60 Jahre alt – und so hatte ich Gelegenheit, die meisten der Gründer, die die erste Phase des Hyperwachstums vorangetrieben haben, kennenzulernen“, erklärt Sudit, der einen Doktortitel in Physik hat und als Wissenschaftler sowohl im akademischen Bereich als auch in der Industrie gearbeitet hat, bevor er Investment-Analyst wurde. „Ich habe aber auch die nächste Generation von Führungskräften kennengelernt, von denen viele Außenseiter mit ausgeprägten unternehmerischen Fähigkeiten waren.“


Verschafft Sudits Hintergrund als Physiker ihm eine besondere Perspektive als professioneller Anleger? „Ja, aber aus anderen Gründen, als Sie vielleicht denken“, erklärt er. „Dank des Doktortitels in Physik kann ich die Firmenchefs auffordern, über ihre Geschäftsstrategie, ihre Bilanz und ihre Schulden zu sprechen – weil ich die Technologie schon verstanden habe.“


 


2. Das Flatleysche Gesetz und die Macht der Gensequenzierung


Als das menschliche Genom vor etwa zwei Jahrzehnten zum ersten Mal sequenziert wurde, brauchte ein Team von Forschern dazu fast acht Jahre und die Kosten beliefen sich auf mehr als 100 Millionen US-Dollar. Bald wurde deutlich, dass die für die genetische Sequenzierung verwendeten Geräte schneller und billiger werden müssten.


Auftritt Jay Flatley, ehemals Vorsitzender des Medizintechnologie-Unternehmens Illumina. Er verfolgte mit seinem Unternehmen nicht die Mission, eine neue Innovation zu entdecken, sondern legte den Schwerpunkt auf die Ausführung. Dank der vor allem von Flatley – der selbst kein Wissenschaftler ist – vorangetriebenen Verbesserungen kann ein menschliches Genom heute in etwa einem Tag für rund 1.000 US-Dollar sequenziert werden. Das Flatleysche Gesetz, ein Gegenstück zum Mooreschen Gesetz, machte noch schnellere Fortschritte und größere Kostensenkungen deutlich.


„Für einen kurzen Moment glaubten wir, wir hätten alle Teile des genetischen Codes, um jede Krankheit zu heilen“, erinnert sich Aktienportfolioverwalter Richmond Wolf, der Flatley kennenlernte, als er als Investment-Analyst für US-Medizintechnologie-Unternehmen zuständig war. „Es stellte sich heraus, dass dies doch komplizierter war, aber es war ein wichtiger erster Schritt.“


Nachfolgende Durchbrüche bei der DNA-Analyse führten zu einer neuen Ära in der Medizin. „Heute können wir eine Karte des menschlichen Genoms mit Mutationen vergleichen, die Krebs auslösen“, erklärt Wolf. „Wir können spezifische Mutationen identifizieren und die Therapien darauf abstimmen.“ Tatsächlich können Tests und die aus Gentests abgeleiteten Therapien das Leben verlängern und Einnahmen in Milliardenhöhe für die Unternehmen generieren, die diese entwickeln.


Wir entwickeln Tools, die das Tempo bei der Medikamentenentwicklung rapide vorantreiben. „Interessante neue Verfahren wie Gentherapien, Immuntherapien und zellbasierte Therapien, die heute den Verlauf vieler Krebsarten verändern, wären ohne DNA-Sequenzierung nicht möglich“, so Wolf. „Die Unternehmen, die die „Hacken und Schaufeln“ für eine Branche entwickeln und liefern, stellen oft sehr gute Anlagen dar. Ohne die DNA-Sequenzierung wären viele dieser neuen Therapien nicht möglich. Wie bei den Halbleitern wäre das Mooresche Gesetz möglicherweise schon vor Jahren zusammengebrochen, wenn es keine Fortschritte im Bereich EUV-Lithografie gegeben hätte.“


 


Durchbrüche bei der Diagnose können die Früherkennung von Krankheiten deutlich fördern oder in manchen Fällen die Möglichkeit bieten, die Krankheit zu behandeln, bevor sie fortschreitet. „Eines der interessantesten Dinge im heutigen Gesundheitsbereich ist die sogenannte Liquid Biopsy oder Flüssigbiopsie, bei der eine Blutprobe dazu genutzt werden kann, einen Tumor im frühesten Stadium zu erkennen, wenn er eine winzige Menge mutierter DNA absondert“, so Wolf.


In jüngster Zeit hat die Genomforschung einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen COVID geleistet. Mithilfe der DNA-Sequenzierung konnten nicht nur Varianten identifiziert und verfolgt werden. Das US-Biotech-Unternehmen Moderna war in der Lage, die Entwicklung seines Impfstoffs voranzutreiben, weil ein Wissenschaftler den genetischen Code des Virus veröffentlicht hatte.


Die schnelle, genaue und preiswerte Gensequenzierung hat das Potenzial, medizinischen Forschern Möglichkeiten zu eröffnen, personalisierte Therapien für die Patienten zu entwickeln. „Es gab noch nie eine so spannende Zeit im Gesundheitswesen“, fügt Wolf hinzu. „Es begann mit der Sequenzierung des menschlichen Genoms. Wir haben diese Tools in den beiden letzten Jahrzehnten weiterentwickelt und verbessert, und jetzt nutzen wir sie nicht nur, um genauere Diagnosen zu stellen, sondern auch, um bessere Therapien zu entwickeln und die Therapien auf diese Diagnosen abzustimmen.“


 


3. Das Wrightsche Gesetz und die künftige Vorherrschaft der Elektrofahrzeuge


Ein drittes Gesetz, das sich auf sinkende Produktionskosten bezieht, das Wrightsche Gesetz, ist dem Mooreschen Gesetz um einige Jahrzehnte voraus und hat einen umfassenderen Anwendungsbereich. Theodore Wright, ein Luftfahrtingenieur, beobachtete 1936, dass bei einer Verdoppelung der Produktion von Flugzeugen die Kosten in einem festen Verhältnis zurückgingen.


Wenn man Wrights Beobachtung auf die Fortschritte bei Lithium-Ionen-Batterien anwendet, die am häufigsten in Elektroautos verwendet werden, sollte der Preis bei jeder Verdopplung der Produktion deutlich sinken.


Derzeit sind Elektrofahrzeuge üblicherweise mit einer Lithium-Ionen-Batterie mit etwa 40-60 kWh ausgestattet, was etwa ein Drittel des Fahrzeugpreises ausmacht. Elektroautos werden billiger als herkömmliche Autos, sobald die Batteriekosten auf unter 100 US-Dollar pro Kilowattstunde (kWh) fallen. Während des letzten Jahrzehnts ist der Durchschnittspreis laut einer Analyse von Bloomberg von 917 US-Dollar pro kWh auf etwa 137 US-Dollar gefallen. In China haben die Batteriekosten für einige Fahrzeuge verschiedenen Berichten zufolge bereits die Schwelle von 100 US-Dollar erreicht, Jahre früher als erwartet. Und der Preis wird bis 2030 voraussichtlich auf unter 60 US-Dollar fallen.


Daher führten die Hersteller von Elektrofahrzeugen jüngst Modelle mit günstigeren Preisen, höherer Leistung und größerer Reichweite ein. In der Regel kommt man mit Elektroautobatterien rund 300 bis 600 Kilometer weit, bis man sie laden muss. Zu den Unternehmen, die das Rennen um preiswertere, leistungsstärkere Batterien anführen, gehören CATL in China, LG Chem und Samsung SDI in Korea sowie Tesla in den USA.


 


Die Internationale Energieagentur geht davon aus, dass die weltweiten Verkäufe von Elektrofahrzeugen während des nächsten Jahrzehnts jährlich um 28 % steigen werden. In Anbetracht der sich weltweit verschärfenden Abgasnormen und der zunehmend attraktiveren Kosten für die Verbraucher seien diese Schätzungen möglicherweise zu konservativ, meint Aktien-Analystin Kaitlyn Murphy.


„Neue Entwicklungen werden Elektrofahrzeuge möglicherweise nicht nur wettbewerbsfähig gegenüber neuen Autos mit Verbrennungsmotoren, sondern auch gegenüber der gesamten vorhandenen Fahrzeugflotte auf der Straße machen – inklusive der Gebrauchtwagen“, so Murphy, die für die US-amerikanischen Fahrzeug- und Ersatzteilhersteller zuständig ist. „Wir sprechen da von etwa 270 oder 280 Millionen Fahrzeugen in den USA. Wenn man das langfristig betrachtet, lässt das gegebenenfalls ein viel stärkeres Wachstum erwarten, als der Markt annimmt.“


Tatsächlich verändert der Aufstieg der batteriebetriebenen Fahrzeuge das wirtschaftliche Umfeld der weltweiten Autoindustrie. Indem die Unternehmen ihre Flotten von Elektrofahrzeugen ausbauten, bauten sie sich auch eine Basis potenzieller Serviceerträge auf – für das Management der Batterie oder die Bereitstellung aktualisierbarer Software, mit der sich das Kundenerlebnis und die Sicherheit des Fahrzeugs verbessern lassen.


„Ganz gleich, ob es sich um klassische Autohersteller oder um Start-ups handelt – Unternehmen, die sich den strukturellen Wandel zu eigen machen und diese Fortschritte schnell auf den Markt bringen, haben langfristig die besseren Karten“, fügt Murphy hinzu.


Darüber hinaus könnte eine breitere Akzeptanz von Lithium-Ionen-Batterien bei Autos zu Preissenkungen führen, die die Batterien letztlich auch für andere Verwendungszwecke erschwinglich machen, z. B. für die Energiespeicherung bei öffentlichen Versorgern.


 


Auswirkungen auf Anlagen


Das Mooresche Gesetz, das Flatleysche Gesetz und das Wrightsche Gesetz sollten das Innovationstempo branchenübergreifend weiter vorantreiben und intelligente Unternehmen dabei unterstützen, neue Chancen zu nutzen. Angesichts der Geschwindigkeit des Wandels müssen die Anleger wachsam bleiben, um die disruptiven Unternehmen von jenen zu unterscheiden, die von der Disruption betroffen sind.


Mithilfe unseres Research können wir die Fortschritte verfolgen, die die Technologie-, Gesundheits- und Energiebranche in neue Richtungen führen. Sudit und Wolf hatten das Privileg, die Urheber dieser Gesetze kennenzulernen. Noch wichtiger ist, dass sie aufgrund ihrer jahrelangen Erfahrung über eine breite Perspektive verfügen, die kaum zu übertreffen ist.



Isaac Sudit ist für das Research in Bezug auf US-amerikanische und europäische Halbleiterunternehmen, globale Halbleiterausrüster und US-Ingenieur- und Bauunternehmen zuständig. Er hat 20 Jahre Investmenterfahrung, 13 davon bei Capital Group. Er hat einen Doktortitel in Physik von der University of Wisconsin, einen MBA von Stanford und einen Bachelor-Abschluss in Physik von der Emory University.

Richmond Wolf ist ein Aktienportfoliomanager mit 23 Jahren Anlageerfahrung. Er ist auch als Aktien-Analyst tätig und für US-Medizintechnologie-Unternehmen und REIT zuständig. Er hat einen Doktortitel vom California Institute of Technology und einen Bachelor-Abschluss von der Princeton University.
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Kaitlyn Murphy ist als Aktien-Analystin in den Bereichen Chemie, Automobil und Automobilkomponenten in den USA sowie Schienenverkehr in den USA und Kanada. Sie hat einen Bachelor in Organisationswissenschaften von der Brown University.


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